Mit der Taschenlampe gehe ich in den dunkelsten Ecken des Kellers auf die Suche nach vergessenen Flaschen, einem Schliemann ähnlicher als einem Weinsammler, der ich auch nicht bin. Ich sammele meine Flaschen nicht, sondern kaufe sie, wenn ich den Eindruck habe, in den nächsten Wochen verdursten zu müssen. Zur Spekulation mit Wein fehlt mir die Mentalität und das Geld; große Mengen ein und desselben Weins beunruhigen mich. Ich trinke gern verschiedene Sorten möglichst gleichzeitig. Beispielsweise beim Essen zu jedem Gang einen anderen Wein. Dazu braucht man natürlich einige Mitesser und -trinker. Oder die angebrochene Flasche wird wieder verkorkt und für den nächsten Tag aufgehoben. Das funktioniert erstaunlich gut. Die Furcht, in einer einmal geöffneten Flasche würde der Wein "verfliegen", also seine Identität verlieren, ist nur bei leichten, so genannten Sommerweinen berechtigt, die ich sowieso nicht trinke. 13 Prozent Alkohol dürfen schon drin sein in der Flasche, wenn er mir schmecken soll.

Beides trifft auf den Beaujolais nicht zu, den ich im Keller entdeckt habe. Kein Village und schon gar kein Beaujolais nouveau, den gibt es erst wieder wie jedes Jahr im November.

Nein, es war ein drei Jahre alter Fleurie, keine Granate, wie der Côtes-du-Rhône, dessen schwarze Farbe von den Bordeaux-Produzenten so verabscheut wird, weil sie eine Intensität verspricht, die ihren Weinen oft abgeht. (Doch damit begebe ich mich auf das Gebiet der Ideologie, nämlich zwischen die Fronten der Bordeaux-Trinker und des Rests der Welt.)

Der Fleurie jedenfalls hat ausgezeichnet geschmeckt. Sehr fruchtig und mit geringer Säure, wie man es von der Gamaytraube erwartet, dabei aber nicht flach oder dünn. Ein richtig angenehmer Wein zu gebratenen Sardinen (oder zu Huhn, Kaninchen und nicht zuletzt auch zur Andouillette, dieser stinkenden Wurst aus gehacktem Schweinedarm, für die ich eine Schwäche habe, wenn sie aus einer sauberen Produktion stammt).

Weniger Chemie, dafür mehr Geschmack

Bei der Inspektion des Kellers stellte ich fest, dass ein ungewöhnlich hoher Anteil meiner Flaschen von Biowinzern abgefüllt wurde.

Das ist überraschend, weil ich keineswegs Weine deshalb kaufe, weil sie biodynamisch produziert wurden. Das ist mir ziemlich egal.