EIERHOFF:
Bertelsmann hat in den USA gut 18.000 Mitarbeiter; davon in New York gut 5.000 und ich in meiner DirectGroup gut Viereinhalbtausend insgesamt in den USA. Ich kann Ihnen sagen, wie ich davon erfahren hab: Ich habe mir mittags im Internet die neuesten Nachrichten angeschaut, was ich nahezu jeden Mittag tue - Wirtschaftsnachrichten, dann politische Nachrichten, und so erfuhr von einem Unfall, einem Zusammenstoß eines angeblich kleinen Flugzeugs mit dem World Trade Center. Ich hab danach sofort das Fernsehen angemacht und ein paar Minuten später sah ich Rolf Schmidt-Holz, meinen Kollegen, bei RTL im Telefon-Interview in so einem Tower stehen, in New York...

....Rolf Schmidt-Holz war in New York?

....ja, der war in New York, und der hat dann quasi live berichtet, was er sah. Und er musste diese entsetzliche zweite Attacke mit erleben, dieses zweiten Flugzeugs in den zweiten Turm hinein. Wie hat Bertelsmann reagiert? Wir haben sehr schnell eine E-Mail an alle Mitarbeiter, die über einen PC verfügten, geschrieben. Wir haben sofort eine 2 Millionen-Dollar-Spende für die Betroffenen, sowohl für die vermutlichen Opfer, als auch für die Feuerwehrleute dort ausgelobt. Wir haben eine Spendenaktion gestartet, die in Funk und Fernsehen und in den Zeitschriften entsprechend beworben wird. Wir haben uns sehr kurzfristig mit dem Bürgermeister in New York zusammen telefoniert, um entsprechend helfen zu können. Ich kann heute sagen, dass wir Gott sei dank, soweit die Informationen stimmig sind, kein Opfer unter den Bertelsmann-Mitarbeitern in New York zu beklagen haben....

...aber Herr Eierhoff, der Alltag, der ist wahrscheinlich in New York noch nicht wieder eingekehrt, oder? Also wie reagieren ihre Leute auf das was geschehen ist?

Ja, Herr Hamann, ich will es gerne sagen: Wir haben, wie gesagt, Gott sei Dank kein Opfer unter den ‚Bertelsmännern’, aber natürlich hat jeder Mitarbeiter einen Freund, einen Verwandten, einen Bekannten, der vermisst ist und dessen Schicksal er im Moment gar nicht genau bewerten kann. Und in so fern gab es natürlich in den ersten Tagen nach dem Anschlag - ich will nicht sagen Lethargie - aber eine tiefe Betroffenheit, schlicht und einfach ein Ruhen von Geschäftsaktivitäten dort festzustellen. Und wir müssen sehen das wir dieses behutsam aber schnell überwinden. Und genau darauf kommt es im Moment an: Im Moment müssen die Führungskräfte wirklich führen, damit wir diesen Crash, diesen ‚black out’, der im Kopf da ist, damit wir den schnell überwinden. Da muss eine Führungskraft, da muss der Konzern, da muss das Unternehmen Hilfestellung leisten!

Und das wird auch respektiert von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie die Führung reagiert hat?

Ja, ich denke das Wichtigste ist, dass man sich erst mal glaubwürdig um die Angelegenheiten der Mitarbeiter kümmert; das ist das Wichtigste. Und wenn Mitarbeiter das Gefühl bekommen, die kümmern sich, die helfen, die unterstützen - und das ist ernst gemeint; das ist glaubwürdig; das ist verlässlich - dann ist das besser als jedwede große Public-Relations-Aktion, die sich darum rankt, wie man sie in diesen Tagen an der einen oder anderen Stelle auch sieht.