»Soll ich bei Ihnen jetzt m wie männlich oder w wie weiblich ankreuzen?«

»Wie Sie wollen«, sagte meine Freundin großzügig, »ist ja letztlich nur ein Buchstabe.«

Die Frau hinter dem Schalter trug eine Brille. Aber sie starrte meine Freundin an, als hätte sie Probleme beim Gucken. »Also wissen Sie, Sie können da ja bestimmt mit umgehen, aber für mich ist das doch vollkommen neu!« Meine Freundin begriff, dass sie gerade für ein Beispiel von Geschlechtsumwandlung gehalten wurde. Für sie war das ebenfalls neu, aber sie sagte nichts, sondern dachte an Jeanne d'Arc, an die Zeiten, als eine Frau als Mann durchgegangen war, sobald sie die Symbole der Männlichkeit trug: ihre Kleidung, ihre Waffen, ihren Mut. Meine Freundin trug Jeans und eine lose übers T-Shirt geworfene Jacke. Und sie hat eine tiefe Stimme.

Die Schalterdame sagte nach einem herzhaften Biss in ihr Brötchen: »Macht ja nichts. Eine Bekannte von mir ist ja jetzt auch zur Bundeswehr gegangen.«

»Und wenn Sie nichts ankreuzen?«, fragte meine Freundin provokant. »Kann ich dann kein Norwegisch lernen?«

»Nein«, sagte die Angestellte knapp. Sie sah das vom Standpunkt der Bürokratie. Ich dachte an den Russischunterricht in der dritten Klasse und fand, meine Freundin war zu voreilig. Sie übersah das Naheliegende: Sie hätte als Haakon in die Analen der Volkshochschule eingehen können. Sie hätte auf ihrem Namensschildchen nicht nur eine norwegische, sondern auch eine männliche Identität begründen können.

Nach der ersten Unterrichtsstunde teilte sie mir mit, dass die weibliche Form in der norwegischen Sprache quasi tot ist. Die Norwegischlehrerin wollte alles ausschließlich mit dem männlichen Pronomen bezeichnen. Ich fand, das war eine gute Idee. Es entsprach irgendwie dem mittelalterlichen Gleichheitsideal. Wären die Russen damals schon so weit gewesen wie die Norweger, hätte das mit dem Sascha sicher geklappt.