Am steigenden Bedürfnis nach Wohlbefinden will auch die Tourismusbranche gesunden. Ferienangebote, die um die Modethemen Wellness, Fitness und Beauty kreisen, schießen wie Pilze aus dem Boden. Noch vor fünf Jahren hätte kaum jemand mit dem Begriff Ayurveda etwas anfangen können, doch in der vergangenen Woche schaffte es ein Dokumentationsfilm mit ebendiesem Titel bis in die Großstadtkinos.

Die indische Weisheit vom langen Leben entpuppt sich als Bestseller auf dem Wellnessmarkt. "Sogar in konservativen Kurorten wie Bad Tölz kann man inzwischen Ayurveda-Kuren machen", sagt die Tourismusforscherin Felizitas Romeiss-Stracke. "Es ist heute gut für das Prestige, etwas für die Gesundheit zu tun. In der nachindustriellen Gesellschaft trägt sich das Individuum als Lebensunternehmer selbst zu Markte. Da bleibt der eigene Körper die einzige Konstante."

Die Nachfrage nach Entspannung und Entschlackung, nach Verwöhnen und Verschönern wird vielfältig bedient: Thalassotherapie, Yin-Yang-Ausgleichsmassage oder "Bioelektrische Impedanzanalyse" zeugen zumindest vom sprachlichen Einfallsreichtum der Wellnessproduzenten. Im Angebot sind sowohl ganzheitliche Kuren, die Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen versprechen und zumeist einen länge-ren Aufenthalt erfordern, als auch Verwöhnwochenenden mit kleinen Schönheitsreparaturen an Gesicht oder Dekolleté.

Langsam kommen die Herren

Führende Hotels in den Metropolen wie das Berliner Adlon haben sich neuerdings ein "Day-Spa" zugelegt, wo sich gehetzte Geschäftsleute zwischen zwei Terminen eine kleine Wellnessdosis verabreichen lassen. Fitness, Spaß und Entspannung sind auch die Motive der Besucher von Fitnessstudios. An die 4,6 Millionen Deutsche trimmen sich in den circa 6500 sportiven Centern. Ein boomendes Geschäft: Mehr als 5,2 Milliarden Mark wurden im vergangenen Jahr in der Branche umgesetzt.

Rund zwei Drittel aller Bundesbürger möchten indes im Urlaub etwas für die Gesundheit tun - aber nur ein Bruchteil von ihnen bucht bislang auch derartige Spezialarrangements. "Der Gesundheitseffekt soll sich ganz nebenbei einstellen", konstatiert Martin Lohmann, Leiter des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (N. I. T.). Lediglich 2,3 Millionen Bundesbürger - vier Prozent aller Urlauber - unternahmen im vergangenen Jahr eine Reise mit dem Schwerpunkt Wellness, Fitness oder Beauty. "Wellnessurlaub ist ein eher kleines, aber feines Segment", glaubt Lohmann. "Von einem Boom kann man auf der Nachfrageseite nicht sprechen."

Doch das Interesse wächst, wie die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F. U. R.) in ihrer jährlichen Trendstudie feststellt. Danach hatten Mitte der neunziger Jahre insgesamt knapp sechs Prozent in den drei Jahren zuvor einen Gesundheitsurlaub gebucht, inzwischen schätzt F. U. R. diesen Anteil auf rund 16 Prozent (siehe Tabelle).