Am DONNERSTAG stehe ich wie jeden Tag gegen 6 Uhr auf. Erst bringe ich meinen Sohn Fritzi (5 1/2) zu Fuß in die Schule, dann fahren meine Tochter Shenja (3 1/2) und ich Croissants kaufen und dann in den Kindergarten, und gegen 9.30 Uhr bin ich im Verlag. In der heutigen Konferenz besprechen wir noch einmal die Aktivitäten während der Frankfurter Buchmesse, vor allem die Termine von Péter Esterházy, der mit seinem Roman Harmonia Caelestis im Mittelpunkt der Presseaufmerksamkeit stehen wird. Mittags treffe ich meine Freundin Sarah Wiener, berühmt für die besten Mehlspeisen der Stadt, die für unser Taschenbuchfest am 6. Oktober den Streuselkuchen, die Brezeln und die Kartoffelsuppe (mit und ohne Würstchen) liefert. Jeden Donnerstagnachmittag gehe ich mit Fritzi und seinem Freund Massimiliano (7) zum Jiu-Jitsu

Shenja ist in dieser Zeit bereits bei Massis Schwester Stella (4), und um 18 Uhr erwartet uns ein von Mama Gina gekochtes italienisches Essen mit hausgemachter Crostata.

Am FREITAG fahre ich nach Mainz zur Verleihung des Joseph-Breitbach-Preises an unseren Autor Ingo Schulze. Eigentlich sollte der ganze Verlag dabei sein - denn alle Mitarbeiter unseres Verlages, sei es aus der Presse, aus Lektorat oder Vertrieb, haben eine enge Beziehung zu den Autoren, und das gilt besonders bei Ingo, dessen 33 Augenblicke des Glücks wir als eines der ersten Bücher für den Verlag gekauft haben. Wenn ich spät nach Berlin zurückkehre, schau ich vielleicht noch kurz im Bergstüberl in Mitte vorbei, da legt ein DJ auf, der vielleicht für unser Fest am 6. Oktober infrage kommt - aber vielleicht überlasse ich das auch unserem Pressechef Carsten Sommerfeldt.

SAMSTAG und SONNTAG verbringe ich fast immer mit meiner Familie in der Uckermark. Ich versuche ein bisschen zu lesen, aber meistens bin ich mit meinen Kindern draußen. Und ab und zu koche ich auch mal Äpfel ein oder backe einen Kuchen (ich übe noch).

Am MONTAG kommen die Grafiker Nina Rothfos und Patrick Gabler aus Hamburg, die die Umschläge für das neue Frühjahrsprogramm 2002 präsentieren. Ein sehr wichtiger Termin - erstmals stehen die kommenden Bücher sichtbar vor uns, und ein Programm, an dem wir seit langem arbeiten, nimmt Gestalt an. Abends gehe ich mit meiner Freundin Ursula ins FSK und schaue mir Angela Schanelecs neuen Film Mein langsames Leben an. Ich habe ihn dieses Jahr auf der Berlinale entdeckt und will ihn noch einmal in Ruhe sehen.

Am DIENSTAG habe ich mich mit unserer israelischen Autorin Zeruya Shalev am Telefon verabredet, um Details ihrer Lesereise zu besprechen - ihr Bestseller Liebesleben ist der Haupttitel des ersten Programms unseres neuen Taschenbuchverlags. Angesichts der komplizierten weltpolitischen Lage, vor allem im Nahen Osten, will sie kurzfristig über den genauen Abreisetermin entscheiden - und ob ihre Familie sie begleitet. Abends gehe ich mit meinem Mann ins Wissenschaftskolleg, wo der neue Rektor mit einem Festakt eingeführt wird. Einladungen ins so genannte Wiko sind immer interessant, weil man auf Wissenschaftler der unterschiedlichsten Fachrichtungen trifft, aber auch auf Komponisten, bildende Künstler, Schriftsteller. Im letzten Jahr habe ich dort beispielsweise Lawrence Lessig kennen gelernt - einen jungen amerikanischen Professor, der als einer der Experten des Microsoft-Prozesses berühmt geworden ist. Sein Buch CODE und andere Gesetze des Cyberspace haben wir in diesem Herbst veröffentlicht.

MITTWOCH feiern wir den Tag der deutschen Einheit - und schlafen aus. Mittags gehen wir mit Fritzi und Shenja in das schönste Restaurant von Berlin, das Sale e Tabacchi, dessen Besitzer, Pierro de Vitis, ein guter Freund und großer Kommentator des Weltgeschehens ist. An dem langen Tisch sitzen vielleicht auch einige unserer Autoren, Cord Riechelmann oder Jan Peter Bremer, auf jeden Fall ziemlich viele Kinder - vielleicht auch wieder Massimiliano und Stella. Und dann versuche ich mal wieder, mich in ein Manuskript zu vertiefen, aber wahrscheinlich muss ich Memory spielen.