Die Zeit: Herr Kielmann, nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon stornieren mehr und mehr Deutsche ihre Urlaubsreisen.

Bernd Kielmann: Das hat verschiedene Ursachen. Die Bilder, die von den Anschlägen um die Welt gingen, bedeuten zunächst einmal Gefahr. Und Gefahr heißt für den Menschen sofort Rückzug. Ins Private, in die Wohnung.

Zeit: Mal abgesehen von Reisen in den Irak, vor denen das Auswärtige Amt nun warnt, gibt es zahlreiche Touren in die Türkei, die abgesagt werden. Selbst Italien und Spanien werden teilweise gemieden. Woher kommt so ein undifferenziertes Verhalten?

Kielmann: Was die islamischen Länder betrifft, geht es in Richtung Kollektivhaftung. Genauso wie Deutsche oftmals noch mit Nazis in Verbindung gebracht werden. Der Mensch neigt zur Vereinfachung. Das gilt auch im Urlaub.

Sieht er in der Türkei einen Mann mit Turban und Bart, denkt er gleich an Osama bin Laden. Aber nach den Anschlägen in den USA werden verschiedene Ängste aktiviert und ausgelöst, etwa die Angst vorm Fliegen

Zeit: Da nützt es auch nichts, dass immer wieder beteuert wird, Fliegen sei ungefährlicher als Autofahren?

Kielmann: Phobien, Flugangst und Bedrohungsängste sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Durch die jüngsten Anschläge wird sich das noch verstärken.