In dem Film A.I. - Künstliche Intelligenz sind die schlauen Androiden kaum noch von den Menschen zu unterscheiden. In der Realität dagegen sind die Ergebnisse der KI-Forscher bislang kläglich. Noch übertrifft jedes Kleinkind die Roboter an Schläue. Doch in den nächsten Jahren könnte nahezu unbemerkt und unbeabsichtigt das erste intelligente Wesen von Menschenhand entstehen.

Das Internet könnte zum "Globalen Gehirn" werden. Darüber spekuliert jedenfalls ein wachsender Kreis von Wissenschaftlern, der sich vor wenigen Wochen auf dem ersten internationalen Global-Brain-Workshop in Brüssel traf.

Noch ist die meiste Information im größten Wissensspeicher der menschlichen Geschichte unstrukturiert und passiv. Doch Unternehmen und Forschungsinstitute entwickeln emsig Techniken, sie zu ordnen und zu beleben.

Dann sei der Schritt zur denkenden Kreatur nicht mehr weit, meint Francis Heylighen, Computerwissenschaftler an der Freien Universität Brüssel: "Ich würde es aber nicht künstliche, sondern kollektive oder symbiotische Intelligenz nennen." Statt AI passe IA besser: intelligence amplification, Intelligenzverstärkung.

Eines der klassischen Probleme der KI-Wissenschaftler besteht darin, ihren Kreaturen einen enormen Wust an Wissen beibringen zu müssen. Dazu gehört nicht nur Bildung, sondern vor allem so Banales wie die Tatsache, dass Nasen laufen können, aber nicht gehen. Das Globale Gehirn beseitige diese Hürde, erklärt Heylighen: "Millionen von Nutzern fügen ihm parallel ständig neue Informationen hinzu." Für Johan Bollen vom Los Alamos National Laboratory in New Mexico entsteht da etwas Einzigartiges, das sich von allem anderen grundsätzlich unterscheide, was bisher aus den Labors hervorgegangen sei: "Ein lebendes Produkt des gesammelten Einfallsreichtums der Menschheit."

Ähnlich wie das menschliche Gehirn ist das Internet hochgradig vernetzt. Die Rolle der Synapsen, der Verbindungsstellen der Nervenzellen, nehmen dabei die Hyperlinks ein, die meist farbig markierten Stellen auf einer Seite, die den Nutzer per Mausklick zu einer anderen Website bringen. Heute werden sie vom Autor der jeweiligen Seite vorgegeben. Bollen tüftelt hingegen daran, dass Verweise sich nach Bedarf bilden oder auch wieder vergehen können. Seine Software hebt solche Links stärker hervor, die oft benutzt werden, und lässt jene allmählich verschwinden, die Besucher der Seite nur selten anklicken. So entspinnt sich eine Vernetzung, die sich rein nach den Bedürfnissen der Nutzer richtet. Vorbild ist das menschliche Gehirn. Dort verstärkt sich die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen, wenn die eine häufig direkt nach der anderen feuert. Die Suchmaschine Google nutzt bereits ein ähnliches Prinzip.

Die Fundstellen, die besonders oft und von "wichtigen" Web-Seiten aus angeklickt werden, bietet sie in ihrer Liste ganz oben an.