Elisabeth Leopold, die Gattin des Sammlers, ergriff die Macht. Nachdem ein Saal voller Reporter, Kameramänner, Journalisten, Bedeutungsträger und Adabeis eine halbe Stunde auf ihren Mann und die Creme der Kulturpolitik gewartet hatte, trat sie aufs leere Podium. Herr Leopold, sagte sie, sei zurzeit an unbekanntem Ort, weshalb sie die Führung beginnen werde, und außerdem hänge sowieso alles etwas anders als avisiert. Während sie mit einem kleinen Trupp den Rundgang eröffnete, traf der Gatte dann doch ein und, wie man von oben aus den Fensteröffnungen zum Lichthof sehen konnte, dozierte vor immer noch gut gefüllten Stuhlreihen.

Die Premiere des Leopold Museums oder Glanz und Ende der Eröffnung des Wiener Museumsquartiers, das eine über zwanzigjährige Vorgeschichte der Querelen hat und die nach einem dementsprechend aparten Reglement ablief. Schon im Juni lud die Kunsthalle zur Ausstellung Barocke Party ein und rächte sich damit wohl für die Tatsache, dass sie hinter einem alten Gebäude versteckt und ein total vermurkstes Gebilde ist. Die Barocke Party endete an dem Tag, an dem das Museum Moderner Kunst/Stiftung Ludwig Wien (MUMOK) zum ersten mal zu besichtigen war. Eine Woche nach dem MUMOK wurde nun das Leopold Museum eröffnet. Charme, Chaos oder Intrige? Aus der Tatsache, dass es kein gemeinsames Ticket für die drei Häuser gibt, darf man schließen, dass hier jeder für sich agiert, aber alle gegeneinander intrigieren. Auch ein Programm. Wobei Leopold es geschafft hat, sein selbst gestecktes Klassenziel zu erreichen: Er ist der Größte, sein Haus das Schönste, seine Kunst die Beste. Die Dank- und Glückwunschadressen, mit denen das Gros der österreichischen Presse und die Spitzen der Politik der Selbstdarstellung des Sammlers respondieren, bestätigen es ihm und dem Rest der Welt.

Zwei sichtbare Neubauten hat das Museumsquartier, die in dem von Fischer von Erlach und einem Nachfolger barock umzingelten Gelände der ehemaligen Hofstallungen etwas abgestellt wirken. Neben dem schräg in den Platz ragenden Kubus des MUMOK, der, mit dunkelgrauem Basaltschiefer total ummantelt, nicht nur dem Besucher der Kapuzinergruft wie ein etwas zu groß geratener Sarkophag vorkommt, wirkt der nur leicht und fein aus der Achse gerückte, mit weißem Donaumuschelkalk verkleidete Kubus des Leopold Museums hell und einladend.

Ein Eindruck, der sich im Haus fortsetzt. Ein zentraler Innenhof, der die oberen drei Stockwerke öffnet und verbindet, bringt Licht in alle Räume.

Große Fensteröffnungen schaffen, auf Wunsch des Sammlers, Ausblicke aller Art, zum Beispiel auf das Kunsthistorische Museum oder den Grinzing in blauer Ferne. Dort ist der Sammler zu Hause.

Rudolf Leopold, ein Multitalent

Über Rudolf Leopold weiß man viel, denn redend und schreibend klopft er sich unablässig selbst auf die Schulter. Im Katalogbuch, das zur Eröffnung seines Museums erschienen ist, sucht man zwar vergebens nach Künstlerbiografien, wird aber wohl versorgt mit der Geschichte des Sammlers und seiner Talente.