Der Stammgast Heimito von Doderer notierte 1960: Es ist bereits in London bekannt, und es treffen auch Leute aus Paris und den Niederlanden im Café Hawelka ein. Und auch den Grund für die Wandlung vom Kleinbürger-Café zum international bekannten Künstlertreff liefert der Literat gleich mit: Letzten Endes nur deshalb, weil Herr Hawelka nicht renoviert. Dass schließlich auch immer mehr Neugierige das Café bevölkerten, ist die Schuld des Fotografen Franz Hubmann, der die Kulturzeitschrift Magnum mitbegründet hatte und darin vor 45 Jahren einen Fotoessay über das Hawelka veröffentlichte. Jetzt hat er daraus - kombiniert mit späteren Aufnahmen - eine Hommage in Form eines Fotobandes gemacht: Café Hawelka - Ein Wiener Mythos (Verlag Christian Brandstätter, Wien 2001 112 S., 39,90 DM) nimmt den Betrachter noch einmal mit in die fünfziger Jahre. Da saß man im Caféhaus, als gäbe es kein Draußen. Las Zeitung durch eine dicke Brille und vor allem durch eine Wolke aus Zigarettenrauch. Auch Manuskripte bekamen hier den letzten Schliff. Heute sind es eher junge Paare, die in der Dorotheergasse - auf den Genius Loci hoffend - ihre Urlaubspost erledigen.