"Der Wunderhirte" ist eines der geheimnisvollen Kunstwerke psychisch erkrankter Menschen, die der Kunst-Arzt Hans Prinzhorn um 1920 zusammengetragen hat und die heute die weltberühmte Sammlung Prinzhorn in Heidelberg bilden (s. ZEIT Nr. 39/01). Schon früh in Ausstellungen gezeigt, beschäftigte das wundersame Bild Künstler in aller Welt der Japaner Harue Koga schuf 1930 eine originelle Paraphrase, und auch Max Ernst hat es ganz offensichtlich inspiriert.

Der Mann, der es malte, heißt August Natterer (1868 bis 1933). Ausgebildet als Elektromechaniker, gründete er ein Geschäft in Würzburg. Doch plötzlich beginnen ihn Ängste zu peinigen und Visionen - wie eben der Wunderhirte, der ihm 1907 am Himmel über Stuttgart erscheint ...

Liebevoll und akribisch zeichnet dieses exzellente Buch Natterers Lebensspuren (durch das hilflose Elend der Pflegeanstalten) nach dazu bietet es das grafische Werk in ganzer Vielfalt und erstmals auch Natterers Briefe: skurril meist, doch immer kraftvoll und wortprächtig.

Inge Jádi/Bettina Brand-Claussen (Hg.): August Natterer Die Beweiskraft der Bilder - Leben und Werk - Deutungen Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2001 368 S., 98,- DM