Die Entdeckung der DNA und ihrer Doppelhelixstruktur liegt noch kein halbes Jahrhundert zurück, aber heute schon haben die Life-Sciences und ihre gentechnologischen Anwendbarkeiten es möglich gemacht, dass ernsthaft pro und contra über die Manipulation menschlicher Gene nachgedacht wird.

Als ich zur Schule ging, schrieb man sich Postkarten - aus den Sommerferien oder zum Geburtstag -, heute jagen Telefongespräche oder Internet-Besuche zu Hunderttausenden gleichzeitig um den ganzen Erdball, und die Finanzmanager jagen elektronisch jeden Tag ungeheure Geldmengen durch die Welt, mindestens 50-mal so viel wie der tatsächliche Welthandel in Gütern.

Wir haben es mit Globalisierung nicht nur von Wissen und Technologien zu tun, nicht nur von Information und Kommunikation, nicht nur des Finanzwesens, sondern außerdem mit einem gewaltigen Anstieg der Zahl der Teilnehmer. Die Zahl der an den weltweiten Märkten beteiligten Menschen hat sich allein in den letzten 20 Jahren verdoppelt - nämlich durch die Öffnung Russlands und aller anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, die Öffnung der ehemals abgeschlossenen Staaten des sowjetischen Paktsystems, vor allem aber durch die Öffnung Chinas.

Die allermeisten der 150 Entwicklungsländer haben sich dem weltwirtschaftlichen Austausch geöffnet - zum Teil zu ihrem Vorteil, teilweise auch zu ihrem Schaden. Wer sich an die noch vor 30 Jahren so genannten four little tigers erinnert - Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong -, die damals Entwicklungsländer gewesen sind, heutzutage jedoch erstklassige Industriestaaten, hat vier Beispiele sehr vorteilhafter Entwicklung vor Augen. Alle vier, sehr straff regiert, haben sich alle modernen westlichen Technologien angeeignet. Sie haben den Lebensstandard ihrer Massen ganz außerordentlich steigern können, weil ihre Exportprodukte denen des Westens gleichwertig, aber zugleich - wegen niedrigerer Arbeitskosten - billiger waren.

In den meisten Entwicklungsländern jedoch wird der Fortschritt durch jahrzehntelang unzureichende Regierungen und vor allem durch die Bevölkerungsexplosion behindert. Aber es wird nicht lange dauern, bis zum Beispiel China den little tigers folgen wird. Die europäische Kehrseite ist, dass Teile unserer Industrien ihre Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. Wir Westeuropäer stehen seit einem Vierteljahrhundert vor der Alternative, entweder erstens unsere Arbeitskosten zu senken (Löhne und Sozialleistungen) oder aber zweitens auf bessere Produkte auszuweichen. Das Erstere haben wir weit von uns gewiesen, das Zweite ist uns nur teilweise gelungen. Hier liegt einer der Gründe für die anhaltende deutsche und westeuropäische Strukturarbeitslosigkeit.

Die USA dagegen haben sich - zumal im letzten Jahrzehnt - in hohem Maße zur Herstellung neuer Produkte und Leistungen befähigt. Der Zusammenbruch der hysterischen New-Economy-Euphorie darf nicht darüber hinwegtäuschen: Die USA werden für mehrere Jahrzehnte nicht allein militärisch und strategisch in der Welt die erste Rolle spielen, sondern ebenso auf den meisten Feldern der Forschung und ihrer Anwendung sowie der erzeugten Produkte und Leistungen.

Die Gründe für diesen Vorsprung liegen erstens in den deutlich höheren Forschungsaufwendungen von Staat und Privatwirtschaft in den USA. Zweitens im sehr freien spill-over von Forschungsergebnissen in die zivile Wirtschaft und Gesellschaft. Drittens aber in der ungewöhnlichen Leistungsfähigkeit der weitgehend autonomen Eliteuniversitäten.