Auf einem schönen Bild, das Böcklin 1893 von sich gemalt hat, nach einem Schlaganfall im Jahr davor, er war jetzt 66 Jahre alt, ziemlich wie ich, ein Umstand, den zu erwähnen ich gar nicht erst in Erwägung ziehen würde, wäre er nicht wichtig wegen der Hose, die Böcklin hier anhat - also auf diesem Bild hat Böcklin eine erstaunliche Hose an, eine helle, vielleicht beigefarbene Hose mit einem weitmaschigen Gitter aus dunklen, schwarzen, vielleicht braunschwarzen Streifen, die senkrechten Strei fen sind dabei sehr viel breiter und kräftiger als die waagrechten. Darüber trägt er eine nicht sehr lange dunkelbraune Samtjacke, sehr schön gefüttert übrigens, wie golddurchwirkt, sie steht nach unten auseinander geschlagen offen, sodass man die Hose in einem spitz zulaufenden Ausschnitt bis fast zur Taille sehen kann, und ist ganz oben, sehr weit oben, mit einem einzigen Knopf geschlossen

sie hat noch vier andere Knopflöcher, könnte also bis unten geschlossen sein

ist dies aber eben nicht. Über den sehr schmalen Revers der Jacke sitzt ein weißer Kragen, ein rot gestreiftes Halstuch verdeckt den Hemdausschnitt, den die Jacke lassen würde, und zieht sich als schmaler Rand zwischen Jacke und Hemd bis in den Nacken hinauf.

Dass Böcklin sowohl vor einer fast ganz weißen Leinwand steht, auf die er sich selbst gewissermaßen ein zweites, noch fiktiveres Mal zu malen angefangen hat, als auch vor einer samtig dunkelgrünen, von oben herabhängenden Draperie

dass hinter ihr der Rand eines Fensters zu sehen ist und in dem Raum unter dem Fenster Flaschen und Bücher stehen

dass Böcklin selbst in der linken Hand die Palette, in der rechten einen Pinsel hält

und dass er über alles und alle hinweg rechts am Beschauer oben vorbei in die Ferne seines Ruhms zu schauen scheint, dem kein Schlaganfall etwas anhaben kann: das alles, so schön es ist, lasse ich weg. Mir kommt es jetzt allein auf die Hose und die Jacke an, am meisten auf die Hose.