Die Dominikanische Republik kämpft um ihr Image. Seit deutsche Veranstalter wie FTI oder Air Marin einen Preiskampf um die Lieblingskaribikinsel der Deutschen anzettelten, war das Land in den Ruch eines Billigreiseziels gekommen. Auf dem Höhepunkt des Verdrängungswettbewerbs vor zwei Jahren waren zwei Wochen Urlaub unter Palmen all inclusive für unter 1000 Mark zu haben. Damit kostete Urlaub in der Dominikanischen Republik weniger als auf den Kanarischen Inseln. Die DomRep wurde Anziehungspunkt für Urlauber, die sich die Karibik bisher nicht leisten konnten. Ein Problem für die Anbieter im Land, die etwa mit dem Bau neuer Golfplätze auf solventere Besucher gesetzt hatten.

Inzwischen sieht es so aus, als ob sich das Problem von selbst erledigt, denn die Protagonisten dieses Wettbewerbs sind von dessen Folgen gebeutelt. Nicht nur, dass sie ihre Gewinnspannen während des Preiskampfes immer wieder senkten, um die Konkurrenten auszustechen. Auch der starke Dollar und die erhöhten Kerosinpreise setzten ihnen heftig zu. Allein bei FTI sprach man von insgesamt 320 Millionen Mark Verlust für das Jahr 2000. In der Münchner Zentrale reißt man nun das Steuer herum. Das Ziel: weniger, aber dafür teurere Reisen für die Dominikanische Republik. Bislang ist eine Woche mit Hotel und Flug nicht unter 1399 Mark zu haben. Die Folge: Jene einkommensschwache Klientel, die man mit den Discountofferten anlockte, fährt nun wieder nach Playa del Ingles. Seit Jahresbeginn flogen 70 000 weniger Deutsche in die Dominikanische Republik - ein Rückgang um 20 Prozent.

Eine Entwicklung, die indes den Tourismus in der Dominikanischen Republik bislang nicht in die Krise stürzen konnte. Es kamen Touristen aus anderen Ländern, wo die Insel einen besseren Ruf hat. In Punta Cana, wo die teureren Hotelanlagen stehen, begrüßte man ein Drittel mehr Urlauber als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahrs, darunter viele US-Amerikaner. Wie sich die Terroranschläge vom 11. September und die Gegenschläge der Amerikaner auf das Wintergeschäft auswirken werden, mag derzeit niemand prognostizieren.

Zumindest bei den neuen US-Gästen ist nach dem Inferno von New York nun ein massiver Einbruch der Besucherzahlen zu erwarten.

Tourismusminister Ramón Alfredo Bordas umwirbt besonders die ausgabefreudigen US-Amerikaner. Er lässt die Infrastruktur des Landes verbessern, um Nischenmärkte wie Kreuzfahrt-, Kultur-, Natur-, Sport- und Abenteuertourismus stärker zu erschließen und das Übergewicht an All-inclusive-Urlaub zu entzerren. Solche Anlagen machen immerhin fast zwei Drittel aller Hotels im Land aus. Da sie traditionell mit Pauschalveranstaltern zusammenarbeiten, besteht durch diese Monokultur eine starke Abhängigkeit des Tourismus von Reisekonzernen wie TUI oder Thomas Cook.

Für die angepeilte Diversifikation des Urlaubsangebots mangelt es der Dominikanischen Republik nicht an Attraktionen. Im Innern erhebt sich das höchste Gebirge der Karibik, die bis zu 3175 Meter hohe, von Wasserfällen und reißenden Flüssen durchzogene Zentralkordillere. An der Südküste lockt ein einzigartiges Unesco-Weltkulturerbe: die Zona Colonial in Santo Domingo, älteste Kolonialstadt Amerikas. Zu den kilometerlangen Palmenstränden an den Küsten gesellen sich über 30 Nationalparks der unterschiedlichsten Vegetationszonen. Trendsportarten wie River-Rafting, Canyoning oder Höhlenklettern runden das Angebot ab.

Die Anstrengungen des Tourismusministeriums sind schon sichtbar: Viele Straßen wurden ausgebessert, an den neuen Autobahnen wird weitergebaut.