Der begabte Schreiber Benjamin von Stuckrad-Barre hat sich jahrelang erfolgreich als Enfant terrible vermarktet. Eine Rolle, deren kurze Halbwertzeit er nun am eigenen Leib erfährt - schreckliche Erwachsene gibt es genug. Nachdem der so genannte Pop-Poet sich durch die erwachsenen Medien von FAZ bis stern gejobbt, für Peek und Cloppenburg gemodelt und seine getippten Soloalben zu unzähligen, immer gleichen Büchern remixt hat, will er nun beim Kiddie-Sender MTV reüssieren. Ob die Großen ihren Rüpel-Benjamin dort endlich ernst nehmen? Für Gemeinheiten berühmt, denkt er ab heute live und laut über Zeitungsartikel nach - von der ZEIT bis Wild und Hund.

Halali!

Jung (Krieg) im Land der Mudschaheddin Sa., Phoenix, 22.15 Uhr Als Fabrizio Lazzaretti und Alberto Vendemmiati 1999 mit der Kamera nach Afghanistan aufbrachen, ging es noch darum, an einen von der Weltöffentlichkeit vergessenen Krieg zu erinnern. Die Anschläge in den USA haben den Film zwar in ein neues Licht gerückt, aber lassen ihn mit seinen intensiven Beobachtungen alles andere als alt aussehen. Die ebenso hervorragend gefilmte wie erzählte Dokumentation handelt vom Aufbau eines Hospitals durch italienische Helfer, und sie stellt uns jene Menschen vor, die dort leben und am Ende sind. > Jung< heißt Krieg, erklärt ein kleines Mädchen gleich zu Anfang, und es ist ein hässliches Wort.

Kribbeln im Bauch Sa., BR, 22.45 Uhr Nach diesem Film von Katrin Bühlig dürfen wir wieder hoffen: Vielleicht währet die Liebe wirklich ewiglich. Vier Paare, die sich erst in hohem Alter lieben lernen, zum Beispiel Herta (88) und Hugo (91), warten nicht freudlos auf den Tod - sie üben lieber Tango. Ernst ist 84 und ein erfahrener Filou Elise hat die Freuden der Liebe in diesem Alter erst entdeckt. Mit sensibler Neugier hinterfragt die Autorin Privates und Problematisches. Obwohl hin und wieder gechmunzelt werden darf, wird niemand lächerlich gemacht. Leider ist der Film mit wenig geschmackssicheren Gesangseinlagen und Stimmungsbildern etwas zu lang geraten. Trotzdem herzerwärmend.

Kelly Bastian Geschichte einer Hoffnung Mi., ARD, 20.15 Uhr Lass mich nicht allein, sollte der Film über die Gründungs-Grüne Petra Kelly und den General Gert Bastian heißen. Doch zum Glück ließ sich WDR-Filmchef Gebhard Henke überzeugen, dass das nach TV-Kitsch klingt. Nach der Doppelbiografie von Alice Schwarzer schrieb Wolfgang Menge das Drehbuch der tödlichen Romanze. Regisseur Andreas Kleinert spricht von Antigone und der Überzeitlichkeit der Kunst. Doch wir fühlen uns in die achtziger Jahre zurückversetzt. Während Michael Mendl einen gewöhnungsbedürftigen Bastian abgibt, beeindruckt Dagmar Manzel als vor Energie sprühende, später von Angst zerfressene Kelly.

Schluss mit lustig Do., Pro7, 20.15 Uhr Mi., ARD, 23.30 Uhr In einem sind sich gut dreißigjährige TV-Nachwuchskräfte offenbar einig.

Kommen Kinder ins Spiel, ist Schluss mit lustig. Während Pro Sieben als Regiedebüt von Isabel Kleefeld unter diesem Titel eine Komödie zeigt, die in der richtigen Feierabendstimmung ganz nett anzusehen ist, fühlt sich Radio Bremen der Wirklichkeit verpflichtet. Wie der chaotische Felix (Martin Glade) im fiktiven Fernsehfilm hat sich Regisseur Andreas Kölmel im echten Leben in eine alleinerziehende Mutter verliebt. Seine Rolle als Fast-Vater hat ihn so beeindruckt, dass er die Kamera ein Jahr mitlaufen ließ.