McDonald's ist bereits im Rennen. Von der Tür bis zum Verkaufstresen führt die Tartanbahn aus roten Kacheln, daneben stehen Turnpferde, an den Wänden baumeln Bälle, Segel, Fahnen. Hier kann man gar nicht anders, als dem olympischen Geist zu verfallen und Pommes mit Cola für den Inbegriff von Sportlichkeit zu halten.

Wieder auf der Straße, verzieht sich der Geist rasch ins Ungefähre: Im Gewühl des Athener Alltags ist Olympia bislang nicht an den Start gegangen. Nirgends wird für die Spiele geworben, obwohl keine andere Hauptstadt Europas ähnlich zugepflastert ist mit Plakaten. Eine einzige Olympia-Stellwand hat Athen, irgendwo in der Hässlichkeit der Peripherie zählt sie die Tage bis zur Eröffnung am 13. August 2004. Doch selbst diese Anzeige stand lange still.

Die Stadt tut sich schwer mit ihrer antiken Tradition, sie bejubelte zunächst die Heimkehr der Spiele, zog sich dann aber zurück aufs lethargische Klagen.

Eine solche Bummelei habe er in 20 Jahren Amtszeit noch nie erlebt, gab Juan Antonio Samaranch im April 2000 zu Protokoll, damals noch oberster Olympia-Boss. Offen drohte er Athen mit der Roten Karte, und prompt machte der Ministerpräsident die Spiele zur Chefsache. Geändert hat das nicht viel.

Wenn in dieser Woche erneut eine Abordnung des International Olympic Committee (IOC) anreist, wird sie feststellen: Die Stadt steckt noch immer im Olympia-Stau.

Der jüngste Statusreport, mehr als 100 Seiten dick, verkündet zwar Erfolg und Fortschritt, durchdringt man aber das Kürzelgewirr der Olympia-Bürokraten, so entdeckt man hinter MOU, ICOCOP, ATHOS, AOB, MOA und RHB, dass fast nur von Absichtserklärungen die Rede ist. Freudig wird berichtet, man habe sich mit Handelskammer, griechischer Kirche und Flughafen auf gute Zusammenarbeit geeinigt, vorläufige Masterpläne für temporäre Sportstätten angedacht und Machbarkeitsstudien für Unterkünfte von Journalisten erstellt.

Fast drei Viertel aller Arenen und Hallen gab es zwar bereits, als sich Athen für die Spiele bewarb. Die Planung des übrigen Viertels aber führt zu den erstaunlichsten Verwicklungen. Bei dem Gebäude für die Fernsehübertragungen habe man den Zeitplan aus den Augen verloren, räumt eine Sprecherin des Organisationskomitees ATHOC ein. Auch bei den Reithallen gebe es Verspätungen, doch das seien Einzelfälle. Beim Olympischen Dorf allerdings wurde noch nicht einmal mit dem Erdaushub begonnen, bei den Medienunterkünften konnte man sich erst vorige Woche auf Standorte einigen.