Mit Mozart ist ein Musical-Reimeschmied wie Michael Kunze naturgemäß überfordert, deshalb schneidet er das Genie einfach in der Mitte durch. Nun steht dem feschen Desperado Wolfgang das Rokokopüppchen Amadé zur Seite, notiert pausenlos Meisterwerke und saugt seinem Alter Ego den letzten Tropfen Inspiration aus. Auch anderswo senkt sich in der deutschen Erstaufführung von Mozart! - Das Musical in Hamburgs Neuer Flora vielerlei Bedrohung über Held und Publikum. Der Regisseur Harry Kupfer karrt eine Salzburg-Landschaft auf die Bühne, deren falschen Zuckerguss man riechen kann. Dazu Totenschädel, Spiegelwände, livrierte Lemuren, der gestrenge Papa, die debile Familie Weber - kurzum: das komplette Genieeinschüchterungsprogramm, direkt aus der Asservatenkammer des Legendenkitschs gefingert. Aber Wolferl lässt sich nie unterkriegen und bringt postum sogar den Komponisten Sylvester Levay dazu, dass er auf Zitate in seiner Partitur verzichtet

ein paar Fetzen Echtes kommen vom Band. Von diesem Phantom der Oper ist Levay selber vierzehn Stockwerke nach unten entfernt - mit stiernackigem Rock, dünnem Pop und einem Brocken d-moll, Mozarts weltbekannter Totenmessengruseltonart. Aber was ist auch zu erwarten, wenn einer wie Mozart in den Schredder gesteckt wird?