Die Schauspielerin Susanne Lothar spielt derzeit nur sitzende Frauen: Frauen, die nicht handeln, nicht kämpfen, nichts wollen. Sie sitzen da und durchschauen die Welt der Männer. Sie starren ins Leere und erfassen doch die Kerle, die um sie herumhuschen

es lohnt sich nicht, aufzustehen und Augenkontakt mit ihnen zu suchen. Denn wer steht, hat was vor

wer was vorhat, lügt.

In Yasmina Rezas Komödie Drei Mal Leben, vergangenen Herbst von Luc Bondy in Wien uraufgeführt, spielte Susanne Lothar die kluge Pariserin Sonja, die, ohne sich vom Sofa zu erheben, das männliche Karrieregetümmel ihrer Stadt begriff. Eine unberührbare Grazie, frustgefroren, Blicke aus Augenschlitzen feuernd. Im nächsten Moment würde sie fliehen und nie wiederkommen.

Dem Zuschauer kam damals der Verdacht, dass dies die großen bürgerlichen Frauenrollen unserer Tage sein könnten: brütende Wesen, die sich gleich erheben und die Männer verlassen werden.

Jetzt ist es wieder Herbst, und der Regisseur Bondy lässt die Schauspielerin Lothar wieder auf der Bühne Platz nehmen, diesmal im Schauspielhaus Zürich.

Doch die Frau, die nun hier sitzt, wird bleiben