Innerhalb eines Jahres ist Infineon-Chef Ulrich Schumacher vom Star der Branche zum Krisenmanager mutiert. Noch vor zwölf Monaten standen Aktionäre Schlange, um Anteile an dem Münchner Chipproduzenten zu erwerben. Inzwischen dürften Anleger, die damals keine Aktien bekamen, froh sein: Nach einem Rekordgewinn von 3,3 Milliarden Mark vor Steuern im Jahre 2000 droht nun ein Rekordverlust. Mehr als zwei Milliarden Mark, so fürchten Analysten, werde das Minus betragen.

Schumacher sieht die "ernsteste Branchenkrise, seitdem es Halbleiter gibt".

Die Unternehmen leiden unter extremen Überkapazitäten

die Preise haben sich gezehntelt, die Speicherchips werden teilweise unter Produktionswert verkauft. Statt Expansion ist bei Infineon nun Schrumpfkur angesagt.

Investitionen werden zusammengestrichen, 5000 Mitarbeiter müssen gehen, und selbst die Vorstandsgehälter sinken deutlich. Das ist auch nötig, denn die Verluste lassen sich nicht mehr an der Börse refinanzieren, und auch Banken dürften kaum bereit sein, noch mehr Geld bereitzustellen.

Konzernmutter Siemens scheint die Entwicklung vorhergesehen zu haben, als sie sich zum Börsengang der Tochter von einem Teil der Aktien mit der Begründung trennte: Das Geschäft sei zu zyklisch. Damals ging diese Erklärung aber offensichtlich in der allgemeinen Euphorie unter. huh