Die Suche nach den Gründen der gegenwärtigen Krise ist zur Farce geworden. Jerry Falwell und andere fundamentalistische Prediger in Amerika betrachten die Anschläge als Strafe des Himmels für die Verbrechen von Abtreibungsbefürwortern und Homosexuellen. Jeder Komponist, Philosoph oder Schriftsteller hat irgendeine Erklärung parat

meist handelt es sich dabei - ganz zufällig - um längst bekannte Lieblingsthesen. Madonna sagt, sie wolle - eine ihrer weniger verrückten Aussagen - lange und glücklich leben. Susan Sontag weist die Verantwortung den amerikanischen Piloten zu, die versuchen zu verhindern, dass Saddam Hussein sein Arsenal von Vernichtungswaffen ausbaut. Die antiamerikanische Lobby verweist auf Nicaragua, Chile und die amerikanische Arroganz im Allgemeinen. Die häufigste Erklärung aber verweist auf die Schuld Israels.

Überraschen kann das nicht. Seit seiner Gründung steht Israel einer Vielzahl von Feinden gegenüber. Ohne Israel, behaupten sie, gäbe es gar keinen Terrorismus. Nach dem 11. September hatten viele Israelis einen Moment lang geglaubt, nun werde im Westen das Verständnis für ihr Vorgehen gegen den Terrorismus zunehmen, dem sie ständig ausgesetzt sind. Sie hätten sich nicht dramatischer irren können.

Gewiss, etliche israelische Regierungen haben es mit ihrer kurzsichtigen Politik selbst den Freunden Israels nicht leicht gemacht. Seit dem Krieg von 1967 bin ich überzeugt, dass es ein großer Fehler war, die damals eroberten Gebiete besetzt zu halten. Ebenso lange steht für mich fest, dass Israel für diesen Fehler teuer bezahlen wird. Die andauernde Besetzung wird das Land in einen Morast von Problemen hinabziehen. Und je länger man die Rückgabe der Gebiete hinauszögert, desto schmerzhafter wird der Schritt am Ende sein.

Irgendwann wird Israel die besetzten Gebiete aufgeben müssen. Fällt die Entscheidung dann unter Druck, werden die Araber sie als Zeichen von Schwäche deuten - und den Druck auf Israel nur weiter erhöhen.

Ich bin nicht sicher, ob ein unabhängiger palästinensischer Staat lebensfähig wäre. Aber darüber hat nicht Israel zu entscheiden. Die beiden Intifadas der vergangenen Jahre haben jedenfalls gezeigt, dass der gegenwärtige Zustand nicht haltbar ist. Aber was hätten die Israelis tun können, nachdem die Palästinenser Ehud Baraks Vorschläge ablehnten, die die Erfüllung fast aller ihrer Forderungen bedeutet hätten? Nun, sie hätten trotzdem abziehen können.

Dann hätten die Palästinenser unter sich streiten können, was weiter mit den Gebieten geschehen solle. Nicht, um den Arabern einen Gefallen zu tun, hätte sich Israel also zurückziehen sollen, sondern einfach deshalb, weil ein demokratischer Staat nicht unbegrenzt Macht über feindselige Untertanen ausüben kann.