die zeit: Sie helfen seit zehn Jahren regelmäßig als Chirurg in Afghanistan, noch im März haben Sie im Krankenhaus von Chak e Wardak in der Nähe von Kabul operiert. Was geschieht jetzt mit den Patienten und dem Personal?

Heinrich Schoeneich: Alle haben riesige Angst vor amerikanischen Angriffen.

Die deutschen Helfer haben das Krankenhaus verlassen, als Letzte auch dessen Leiterin Carla Schefter. Vierzig Afghanen versuchen nun, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Vorräte sind genug da, auch Medikamente. Aber sie sind unsicher, wie alles weitergeht. Die Leute werden ja auch von uns bezahlt.

zeit: Wie beurteilen Sie die Lage in Afghanistan?

Schoeneich: Es ist eine menschliche Katastrophe. Afghanistan ist ein kleines Land, in dem fast 30 Jahre lang Krieg herrscht. Für mich haben die Amerikaner sehr viel dazu beigetragen, dass es so weit kommen konnte. Da ist nicht mehr viel kaputtzumachen. Im letzten Jahr gab es obendrein eine Dürrekatastrophe.

Alle Hilfsorganisationen sind jetzt außer Landes. Die Leute dort sind angewiesen auf fremde Hilfe. Ich weiß nicht, wie sie jetzt leben sollen.

zeit: Was hat Sie nach Afghanistan geführt?