Es hätten drei dramatische Tage werden sollen im Club The De Vere Belfry bei Birmingham. Wie immer, wenn es um den Ryder Cup geht, standen an diesem Wochenende atemberaubende Duelle bevor. Doch jetzt hat ein existenzielles, blutiges Drama auch die Tagesordnung im Golfsport zerstört. Auf Wunsch der Amerikaner wird der Wettkampf zwischen den Mannschaften der Vereinigten Staaten und des Vereinten Europas um die Vorherrschaft im Golf verschoben.

Die amerikanischen und die europäischen Organisatoren exerzierten damit den Schulterschluss, wie er seit Beginn des Terrorkrieges überall im transatlantischen Dasein verlangt wird.

Automatisch ist der Beschluss dennoch nicht gefallen. Der Dialog zwischen den Beteiligten diesseits und jenseits des Atlantiks offenbarte vielmehr Differenzen, die ähnlich bald auch bei wichtigeren Entscheidungen als im Sport auftreten könnten. Spielen oder nicht spielen? Die Antworten markierten Unterschiede in der Seelenlage, bei der Gefahrenanalyse wie beim Umgang mit der Krise.

Nun sind Golfspieler allemal sensible Naturen, die Profis sowieso: Wo Perfektion verlangt wird, wo Millimeter zählen, wo Geist und Körper für Höchstleistungen harmonieren müssen, muss das Umfeld stimmen. Störungen sind nicht erlaubt. Aber sie können eintreten, wie jetzt geschehen. Die Terrorangriffe haben einen psychologischen GAU verursacht, der auch die Spieler aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Sollten sie nach der Methode des amerikanischen Präsidenten George W. Bush verfahren, der seinen Landsleuten empfiehlt, Normalität zu versuchen und sich beim Baseballspiel zu entspannen?

Oder sollten sie dem Erschrecken durch Verzicht auf das Turnier Tribut zollen?

Die Antwort wäre sicher leichter gefallen, wenn es sich um einen der vielen, weltweit veranstalteten und hoch dotierten Wettkämpfe gehandelt hätte. Doch es ging um den Ryder Cup, das Olympia des Golfs. Ein Fest der Emotionen, bei dem die Amerikaner diesmal auf Konkurrenten aus sechs verschiedenen Nationen der Europäischen Union treffen sollten. Dabei wird nicht um Geld gespielt (Preisgeld wird nicht vergeben), sondern um die Ehre. Um teilnehmen zu können, werden Profis willentlich zu Amateuren. Sie wollen, hüben wie drüben, zu den Besten gehören, die alle zwei Jahre ihr Land, ihren Kontinent vertreten dürfen.

Die Golf-Olympiade zieht jedes Jahr die Besten der Kontinente an