"Wie würde heutzutage ein Buch aussehen, das, wie jenes von Kant, den Titel Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft tragen würde?", räsoniert Jacques Derrida (in: Jacques Derrida/Gianni Vattimo: Die Religion

Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2001

251 S., 21,50 DM). Wer jetzt über den Islam, zumal über Muslime in Europa lesen will, steht bald vor Derridas Frage nach der abendländischen Vernunft

also nach den Verfahren, mit denen Fremdheit in unseren Breiten beschrieben wird. Was heute fehlt, ist eine Ethnografie der in Europa lebenden Muslime. Ohne qualitative Feldforschung und Diskursanalyse im Sinne Foucaults ist diese Ethnografie aber nicht zu haben.

Auf diesen Ansatz hat sich neben Werner Schiffauer (siehe die Besprechung auf dieser Seite) bereits seit Beginn der neunziger Jahre das kleine Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung verlegt. Margret Jäger gehörte zu den ersten, die exemplarisch am Bild "des muslimischen Mannes" in ihrer Untersuchung Fatale Effekte (Die Kritik am Patriarchat im Einwanderungsdiskurs

DISS-Verlag, Duisburg 1996

304 S., 32,- DM) aufgezeigt hat, wie stark die öffentliche Wahrnehmung mit irrationalen "ethnozentrischen Konstruktionen" verwoben ist.