In Coppolas Film Apocalypse Now hat Captain Willard eine Doppelrolle: Einerseits ist er der Mann, der mit einem Mordauftrag im Herzen den Fluss hinunterfährt. Er ist aber auch eine Art Stellvertreter der Menschheit, in dessen Gesicht sich beispielhaft widerspiegelt, was Menschen einander antun.

Auf einer der Stationen seines Kreuzwegs trifft Willard eine Frau, die zu einer französischen Familie gehört. Die Familie hält im Dschungel Vietnams an ihrer Plantage mit der ganzen Kraft erniedrigter und beleidigter Eliten fest.

In einer Liebes- und Opiumnacht sagt die Frau Willard ins Gesicht: "There are two of you: one that kills - one that loves."

Der liebende Anteil der Menschheit hat sich nicht zuletzt in Liebesgedichten verewigt. Ich für mein Teil habe in drei Zeilen aus dem Gedicht Zwölf Jahre von Paul Celan das Hohelied der Liebe immer am besten herausgehört: "Geh.

Komm. / Die Liebe löscht ihren Namen: sie / schreibt sich dir zu." Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstehe, aber ich glaube, der eine Mensch, der man ist, sagt zur Geliebten: Geh

der andere, oft im gleichen Atemzug, in einer Zeile, sagt zu ihr: Komm. Liebe ist auch nur ein Wort, ein Name, eine Bezeichnung. Liebt man aber, dann löscht sich das Wort aus. Es verliert seine Allgemeinheit, und die Liebe schreibt sich der Geliebten zu. Dieses "Zuschreiben" ist zugleich auch das, was der Dichter höchstpersönlich macht, und das Liebesgedicht gibt einem abgebrauchten Namen, "der Liebe", die verlorene Kraft zurück.

Liebesgedichte aus aller Welt heißt ein empfehlenswerter, von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell herausgegebener Band der Reihe Reclam.