Gewinnen, wenn alle anderen verlieren - Optionsscheine machen es möglich. Mit diesen Papieren können Anleger auf steigende Kurse (Call-Scheine) oder fallende Kurse (Put-Scheine) eines bestimmten Basiswerts wetten. Das können zum Beispiel Aktien, Indizes oder Währungen sein.

Innerhalb einer festgelegten Laufzeit kann das Recht ausgeübt werden, den Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Die Gewinnchance für den Anleger besteht vor allem in der Hebelwirkung: Verändert sich der Basiswert, steigt beziehungsweise fällt der Wert des Optionsscheines um ein Vielfaches. Zudem fällt sein Wert mit abnehmender Laufzeit, am stärksten kurz vor der Fälligkeit. Anleger können mit Optionsscheinen nicht nur auf eine bestimmte Kursentwicklung spekulieren, sondern auch ihr Depot gegen Verluste absichern. Die Scheine werden börsentäglich gehandelt. Weil sich ihr Wert aber sehr schnell verändern kann, sollte ihre Entwicklung ständig überwacht werden.

Egal wie sich die Kurse von Basiswert oder Optionsschein entwicklen - die Bank gewinnt immer. Denn die Risiken, die sie durch die Ausgabe von Optionsscheinen eingeht, sichert sie ab. Im Fachjargon heißt dieser Vorgang Hedging. Die Differenz zwischen dem eingegangenen Geschäft mit dem Kunden und der eigenen Absicherung ist ihre Gewinnprämie.

Weil Geldverdienen mit Optionsscheinen für Banken so einfach ist, gibt es mehr als 25 000 Papiere dieser Art in Deutschland. Viele davon mit extra komplizierter Ausgestaltung - damit sie auch ja niemand versteht. Für den Anleger verhält sich die Gewinnmöglichkeit gerade umgekehrt. In mehr als 80 Prozent der Fälle büßt er Kapital ein, oft genug sogar den gesamten Einsatz.

Auf das Risiko des Totalverlusts müssen Banken bei der Beratung auch hinweisen - nur wenige Anleger lassen sich davon abschrecken. Karsten Huhn