Als Hans Werner Henze auf Kuba weilte, um den Kampf gegen die Bourgeoisie zu unterstützen, notierte er: "In meiner Garderobe sitzt ein junger Soldat und telefoniert mit seinem Mädchen, hat die Maschinenpistole auf meine Partitur gelegt. Ich hoffe auf einen Ölfleck." Nur keine Blutspur als revolutionäres Echtheitssiegel der Kunst, denn vom Ölfleck führt noch ein Weg zum Olivenbaum. Selbst im radikalsten seiner politischen Werke hat sich der bürgerliche Künstler nicht verleugnet. Zwar geht es im Musiktheater We come to the river von 1976 um Erschießungen, Denkverbote, Attentate, aber daraus wächst eine Enzyklopädie musikalischer Mittel: Koloraturen, Gambe, E-Gitarre, grelle Märsche, oft spielen drei Orchester gleichzeitig. Kunstvoller geht es kaum. Die Klänge sollen selbst Akteure sein, Henze spricht von "Handlungen für Musik". Der Regisseur Falk Richter hat das alles nicht verstanden und in der Hamburgischen Staatsoper ein Pamphlet mit Musik inszeniert. Das "imaginäre Imperium" ist hier das der Globalisierer. Die vorzüglichen Musiker wurden mitsamt dem Dirigenten Ingo Metzmacher zur Staffage eines Betroffenheitstheaters, das man so gedankenarm und unmusikalisch lange nicht mehr erlebt hat.