Wenn es um sein Idiom geht, kann der österreichische Mensch unangenehm werden, denn dann hört für ihn die Gemütlichkeit auf. Im Dezember 1914 rief Poldi (Leopold von Andrian) seinen Freund Hugo (von Hofmannsthal) auf, etwas gegen die "alberne Verpreußung der Speisekarten" zu unternehmen. Da müsse etwas geschehen, sonst würde einem das "ganze Essen in den Wiener Wirtshäusern" verleidet. Solche Sorgen bewegten auch die Öffentlichkeit, als über Österreichs Beitritt zur EU beraten wurde und es um das sprachliche Überleben der Paradeiser und Germknödel ging. Den nach Wien Reisenden empfingen damals - ebenso beruhigend wie drohend - Riesenplakate am Rand der Autobahnen: es werde alles beim Alten bleiben. Seitdem garantiert die bodenständige Gastronomie den Fortbestand der Österreichischen Idee - was immer man darunter verstehen mag.

Die Buchtel der Moderne Auch in einem anderen, weniger lebenswichtigen Bereich scheint vorerst die Gefahr der Überfremdung gebannt. Das Wiener Museumsquartier im Messepalast stellt nebeneinander zwei unterschiedliche Panoramen des 20. Jahrhunderts zur Wahl. Das eine findet im weißen Würfel der Sammlung Leopold statt, das andere in einem dunkelgrauen Gebäude, dessen matt geblähtes Dach den Vergleich mit einer Buchtel nahe legt, der österreichischen Mehlspeise, die der Duden als eine Art Hefegebäck bezeichnet, was nicht falsch, aber keinesfalls bildhaft ist. Bizarre Inkonsequenz will, dass dieses teigig überwölbte Gebilde die internationalen Sammlungen des seit über vierzig Jahren existierenden Museums des 20. Jahrhunderts beherbergt, indes der Würfel, der ebenso gut in Basel oder in Bielefeld stehen könnte, die ausschließlich auf österreichische Künstler beschränkte Sammlung von Rudolf Leopold enthält. Ihr imponierender, in Jahrzehnten zusammengetragener Bestand wurde vor einigen Jahren von der Republik Österreich erworben und firmiert seitdem als "Leopold-Museum-Privatstiftung" - ein Zwitter, nicht einleuchtender als eine runde Ecke.

Die Rivalität der beiden Häuser scheint programmiert. Leopolds Sammlung war schon mehrmals unter dem Titel Aufbruch in die Moderne auf Reisen. Dieser Anspruch austrifiziert kurzerhand ein Geschichtsereignis, dessen internationale Strukturen jetzt gleich nebenan im Museum moderner Kunst behandelt werden. Wofür wird sich die neugierige Öffentlichkeit entscheiden?

Bei Leopold findet sie die Forderung verwirklicht, die Hermann Bahr den Secessionisten mit auf den Weg gab: "Hüllt unser Volk in eine österreichische Schönheit ein!" Das andere Haus hat zwangsläufig keinen kompakten Umriss, und sein rätselhaftes Namenskürzel MUMOK wirkt nicht gerade einladend. Leopold hat eindeutig die besseren Karten - gerade das stimmt bedenklich. Er hat sein Ziel erreicht. Die sammlerische Leistung gehört, international gesehen, zur Sonderklasse. Hinter der Leidenschaft des Sammlers steht die patriotische Überzeugung, dass auch der österreichischen Kunst eine Sonderklasse gebühre.

Diese ideologische Position des Monuments ist die Isolierung seiner Inhalte.

Sie stehen gleichsam außer Konkurrenz.

Vor mehr als vierzig Jahren, als ich die Sammlungen des Museums des 20.