Reformen sind nicht notwendigerweise ein Projekt der Linken. Die Modernisierung kann auch von rechts kommen, vor allem dann, wenn es linke Parteien sind, die Reformen verhindern oder daran scheitern. Italien zum Beispiel: Der zweite politische Aufstieg des Medienmilliardärs Silvio Berlusconi und seine Rückkehr an die Macht sind das Ergebnis des Scheiterns eines Mitte-links-Bündnisses. Ohne die Selbstblockade der "Olivenbaum"-Koalition wäre Berlusconis Forza Italia, zusammen mit dem regionalistischen Populisten Umberto Bossi und dem Ex-Neofaschisten Gianfranco Fini, am 13. Mai nicht derart erfolgreich gewesen, trotz des Startvorteils in der von Berlusconis Einfluss stark geprägten Medienlandschaft.

Was aber ist die Substanz von Forza, Lega Nord und Alleanza Nazionale, der drei wichtigsten Parteien hinter Berlusconis Regierung? Christian Christens schmaler Band über Italiens Modernisierung von rechts" gibt eine passable Darstellung der unterschiedlichen Programmatiken und Ideologien innerhalb der Berlusconi/Bossi/Fini-Koalition. Nicht in jedem Punkt muss man das Urteil des Autors teilen. So mutet seine Ansicht, der Flirt der Linken mit dem Dritten Weg Tony Blairs sei ein verkappter Rechtsruck - eine Art Kapitulation vor Berlusconis Neoliberalismus - gewesen und damit der Anfang vom Ende, unzulässig pauschal an. Hingegen hat sich die Kritik am Demokratieverständnis der bürgerlichen Populisten in der politischen Praxis inzwischen hinreichend bestätigt.

Reform von rechts: Ist das italienische Modell übertragbar auf andere populistische Bewegungen? Darauf gibt das Buch keine Antwort. Den Stoff dafür liefert gerade die europäische Wirklichkeit. Nicht nur in Italien. Es lohnt sich, den kritischen Blick schweifen zu lassen - nicht nur in die Ferne.

Werner A. Perger

Christian Christen: Italiens Modernisierung von rechts

Berlusconi, Bossi, Fini oder die Zerschlagung des Wohlfahrtsstaates

mit einem Vorwort von Herbert Schui