Kleine Unternehmen bringen's nicht - so viel ist sicher, seit die Aktienmärkte abstürzen. "Big is beautiful" kommt wieder in Mode bei denjenigen, die noch an die Aktie glauben. Ihre Hoffnung: Die größten Konzerne der Welt könnten die Risiken der politischen Entwicklung am ehesten auf sich nehmen und versprechen zumindest ein kleines bisschen Wachstum. Doch Größe allein ist kein Garant für Sicherheit.

Maßstab für das Wohlergehen der weltweit bedeutendsten Unternehmen ist der Aktienindex Dow Jones Global Titans. Er wird von dem New Yorker Medienhaus Dow Jones herausgegeben, das eine ganze Reihe von Aktienindizes errechnet - unter ihnen auch den gleichnamigen Klassiker der Wall Street, der die 30 größten Industriewerte der Vereinigten Staaten abbildet. Zu den Titanen zählen, gemessen an ihrem Börsenwert, die 50 größten Unternehmen der Welt.

In der Vergangenheit haben sich die Titanen äußerst wacker geschlagen. Der Global Titans Index schnitt - zurückgerechnet auf das Jahr 1992 - bis zum Frühjahr 2000 besser ab als die breiter angelegten Börsenbarometer Dow Jones World Index und MSCI World Index. Das war allerdings der Zeitraum, als die Börseneuphorie ihren Höhepunkt erreichte. In den vergangenen Wochen und Monaten ging es auch mit den Weltkonzernen bergab.

Für die angebliche Überlegenheit der Riesen an der Börsen haben deren Freunde viele gewichtige Argumente: Die Aktien von Unternehmen wie Coca-Cola oder Nestlé würden ganz besonders vom Wachstum der Weltwirtschaft profitieren, weil sie in jedem Markt der Welt vertreten sind. Wenn in irgendeinem Land die Wirtschaft wächst, wachsen die multinationalen Konzerne mit. Unternehmen wie Microsoft brauchten bloß ihre Marktmacht auszuspielen und kleine Konkurrenten an die Wand zu drücken - das bringt steigende Umsätze und Gewinne.

Marktführer wie der Tabak- und Nahrungsmittelgoliath Philip Morris könnten wegen der sehr großen Stückzahlen billiger produzieren als die Mitbewerber am Markt. Und schließlich müssten Großkonzerne - wie beispielsweise DaimlerChrysler - wegen ihrer guten Bonität weniger Zinsen für geliehenes Geld zahlen als andere.

Schon aufgrund ihrer schieren Größe traut man den Titanen zu, dass sie nicht so schnell untergehen. Ein Beispiel dafür ist die weltweit agierende Citigroup, ein Finanzkonzern aus den Vereinigten Staaten. Schwächen auf einem Gebiet - etwa bei Beratung von Fusionen und Übernahmen von Unternehmen - können auf einem anderen Gebiet zumindest teilweise wieder wettgemacht werden. Die Citigroup ist über ihre Tochtergesellschaft Citibank vergleichsweise stark im Privatkundengeschäft. "Irgendwas geht immer", fasst Michael Pohn, Analyst der DZ Bank, die Vorteile des breit gestreuten Finanzkonzerns und vergleichbarer Unternehmen zusammen. Unternehmen wie der US-Einzelhandelsgigant Wal-Mart, der seine Discountketten auch in Europa etablieren will, liefern stabile Ergebnisse und besitzen damit eine hohe Prognosesicherheit. "Das geringere Risiko wird an der Börse mit einem Aufschlag bezahlt", beobachtet Pohn.

Zu den Stars des Titanenindex zählt der Elektronikkonzern IBM. Dessen Management hatte zwar in den achtziger Jahren den Siegeszug der Personal Computer verschlafen. Inzwischen wurde der Technologiekonzern aber kräftig umgebaut. Jetzt legt der Computerhersteller großen Wert auf Service und sieht sich nicht nur als Hardwareanbieter, sondern auch als Dienstleister. Die IBM-Aktie, die von 1970 bis Mitte der neunziger Jahre stagnierte, begann kräftig zu steigen und konnte sich auch in der jüngsten Zeit wesentlich besser behaupten als beispielsweise die High-Tech-Börse Nasdaq.