Wir sind wenig mehr als Ratten, viel weniger als Menschen", heißt es im ersten Brief, der aus der geheimen marokkanischen Strafkolonie Tazmamart herausfand und hinein in die französische Öffentlichkeit. Damals, 1981, waren die Militärs schon seit fast zehn Jahren in ihrem Verlies im Atlasgebirge eingekerkert, und es sollte noch einmal zehn Jahre dauern, bis sie freikamen: zehn Jahre, in denen sich Verwandte und Wildfremde, Menschenrechtler und sogar Gefangene couragiert für sie einsetzten.

Einer aber zeigte keine Courage und schwieg bis zu diesem Jahr. Einer, der sich als écrivain impliqué versteht: als Schriftsteller, der sich einmischt, der furchtlos sein J'accuse! verfasst, der für "Gerechtigkeit, Freiheit und Würde" schreibt. Tahar Ben Jelloun, geboren in Marokko, Wahlfranzose seit 1971, hat das Thema Todeslager Tazmamart erst vor kurzem für sich entdeckt - zu einer Zeit, in der die marokkanische Regierung selbst, unter dem jungen König Mohammed VI., die Gräuel der "schwarzen Jahre" untersuchen lässt und den Opfern (allmählich) Entschädigungen zahlt

zu einer Zeit, in der Tazmamart "Mode" geworden ist, ein schöner Schauer der Geschichte. Nicht eher als im Januar dieses Jahres ist Ben Jellouns Buch Cette aveuglante absence de lumière bei den Editions du Seuil erschienen: gekaufte Erinnerungen an Haft, Folter, Mord (wie viel Prozent der Schriftsteller wann und mit welchem Unmut an seinen Augenzeugen und "Koautor" Aziz Binebine abgetreten hat, war Gegenstand einer wütenden Debatte). - Gut geschriebene, gut verkäufliche Erinnerungen.

"Wir lebten nicht in irgendeiner Nacht. Unsere Nacht war feucht, sehr feucht, klebrig, schmutzig, verschimmelt, sie stank nach Menschen- und Rattenurin, eine Nacht, die auf einem grauen Pferd zu uns geritten war, verfolgt von einer Meute tollwütiger Hunde." Ein schwarzes Grab für 58 Offiziere und Unteroffiziere. Zwei Versuche, gegen den König zu putschen, waren fehlgeschlagen. Die Anführer wurden hingerichtet, das - teilweise nichtsahnende - Fußvolk willkürlich zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und zwanzig Jahren verurteilt. Dann kam jener 7. August 1973. Die Häftlinge wurden mitten in der Nacht aus dem Gefängnis fortgeschafft

staatliche Willkür wich königlicher Rachsucht: Hassan II. hatte ein Sonderlager für die Putschisten bauen lassen.

Ein Sonderlager mit einer Sonderauflage: sterben lassen. Schmerzhaft.

Langsam. Schmerzhaft langsam. In Zellen ohne Licht, ohne Bett, ohne Heizung.