die zeit: Vom kommenden Wintersemester an kann man an der TU Bergakademie Freiberg Industriearchäologie studieren. Womit befasst sich diese Wissenschaft?

Helmuth Albrecht: Wir beschäftigen uns mit Industriedenkmalpflege und Industriekultur. Wir untersuchen industrielle Gebäude und Maschinen und gewinnen daraus Erkenntnisse für die Wirtschafts- oder Sozialgeschichte. Es geht zum Beispiel darum, aus der Analyse einer alten Fabrik Hinweise auf die Entwicklung einer Region zu gewinnen. Forschungsschwerpunkt ist die Zeit nach 1750, also die Epoche der Industrialisierung. Aber Industriearchäologen untersuchen auch Steinbrüche, in denen die Steine für Pyramiden im alten Ägypten gebrochen wurden.

zeit: Wie entstand dieses Berufsbild?

Albrecht: Ausgangspunkt war die Modernisierungswelle Anfang der sechziger Jahre in der britischen Industrie. Vielen historisch wertvollen Gebäuden drohte der Abriss. Dagegen formierte sich Protest - auch in der Wissenschaft.

Letztlich entstanden daraus Studiengänge für Industriearchäologie in Großbritannien, später auch in den USA.

zeit: Wie wurden Industriearchäologen bisher in Deutschland ausgebildet?

Albrecht: Sie waren Quereinsteiger aus anderen Fachgebieten, zum Beispiel Kunsthistoriker oder Architekten. Ich selbst habe Physik, Geschichte und Elektrotechnik studiert.