Zugleich hat Bush auf das Offenkundige verwiesen: Der Feind sei der Terror - und weder das afghanische Volk noch der Islam als solcher. Als Bush am Sonntag den Beginn der Luftschläge verkündete, fügte er pointiert hinzu: Die USA sind der Freund des afghanischen Volkes und zudem auch "von einer Milliarde Menschen weltweit, die dem islamischen Glauben anhängen".

Die Luftangriffe sind aber nur die erste Phase der Operation. Das Terror-Netzwerk der Quaida mit Hilfe einer gewaltigen technologischen Überlegenheit allein aus der Luft zu zerstören, wäre eine feine, aber illusionäre Vorstellung. Die amerikanischen und britischen Special Forces, die sich längst in Afghanistan befinden, werden in der nächsten Phase direkt eingreifen müssen - zusammen mit anderen Truppen, welche Amerika rings um Afghanistan zusammen gezogen hat.

Es droht also das "Zinksarg-Syndrom", das bislang noch jede westliche Militäroperation belastet hat, sei's in Bosnien oder im Kosovo. Nur ist dies ein anderer Krieg: kein "Gewissenskrieg", in dem es allenfalls um abstrakte nationale Interessen geht, sondern ein Verteidigungskrieg, der auf den blutigsten Angriff auf Amerika seit Pearl Harbor folgt.

Bin Laden und die Regime, die ihn unterstützt haben, dürfen sich deshalb nicht auf den Zinksarg-Faktor, also die rasche Demoralisierung, verlassen. Der Krieg wird so lang dauern, bis dieses Terrornetzwerk zerstört worden ist - und diesmal werden die Amerikaner auch die Opfer akzeptieren, die sie im Kosovo nicht riskieren wollten.

Die amerikanische Nation und die weltweite Koalition werden diesen Krieg so lange mittragen, wie sie glauben, dass er gegen die richtigen Zielscheiben geführt wird. Deshalb hat Bush richtig getan, als er zum Beginn der Offensive die Ziele sorgfältig abgezirkelt hat: Der Feind ist der Terror - weder Afghanistan noch der Islam.