Dreißig Stunden büffeln. Dafür verlässt Wiebke Klinge ihren Arbeitsplatz nicht ein einziges Mal. Die betriebliche Fortbildung der Diplombibliothekarin aus der Stadtbibliothek Oldenburg hat nicht nur das Internet zum Thema, sie findet auch ausschließlich im virtuellen Raum statt. Und deshalb nimmt Klinge daran teil, wenn sie Zeit hat: wenn gerade kein Leser eine Frage hat, sie kein Buch wegstellen muss oder nicht gerade mit ihren Kollegen die tägliche Arbeit koordiniert. Dann wendet sie sich dem Computer zu und studiert eines der Lernmodule oder tauscht im Chatroom mit anderen Kursteilnehmern Tipps aus.

Auf rund 2,4 Prozent schätzt das Berliner Marktforschungsunternehmen Berlecon den Anteil von E-Learning an der gesamten betrieblichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Und das entspricht immerhin schon einem Jahresumsatz von über 600 Millionen Mark, Tendenz stark steigend. Schon 2005 werde der Umsatz auf drei bis fünf Milliarden Mark anwachsen, so die Berlecon-Studie. Vollständig ersetzen wird E-Learning den klassischen Unterricht im Seminarraum jedoch nie. Selbst die optimistischste Prognose sieht den Anteil traditioneller Unterrichtsmethoden in absehbarer Zukunft noch bei über 80 Prozent.

Im Einzelfall kann E-Learning jedoch ein durchaus vollständiges Angebot ergeben. So hat sich immerhin schon ein Fünftel aller 10 000 deutschen Bücherei-Fachkräfte mit Bibweb geschult. Entwickelt wurde das E-Learning-Programm von der Bertelsmann Stiftung. Deren Zuschuss von einer Million Mark ermöglicht es, den Kurs statt für kostendeckende 500 Mark schon für 150 bis 200 Mark anzubieten. "Wir bilden einen ganzen Berufsstand elektronisch fort, der ja nicht unbedingt als Speerspitze der Technikanwender gilt", sagt der Projektleiter Christian Hasiewicz nicht ohne Stolz.

Tatsächlich waren die meisten öffentlichen Bibliotheken noch vor ein paar Jahren technische Dinosaurier. Nach Büchern musste man auf kleinen Karteikärtchen suchen, für die Ausleihe gab es Lochkartensysteme. Doch das hat sich gründlich geändert. Elektronische Kataloge und Ausleihe sowie Internet-Arbeitsplätze gehören inzwischen selbst in Kleinstädten zum Bibliotheksstandard. Und mit Bibweb erwerben Bibliothekare nun auch die nötigen Kenntnisse, um ihre Leser im sinnvollen Umgang mit den elektronischen Medien zu beraten.

E-Learning wird wie bei Bibweb bisher fast ausschließlich für Lernprogramme genutzt, die selbst etwas mit Computern und Software zu tun haben, wo Inhalt und Form also gut zusammenpassen. Doch das wird sich bald ändern. So denkt die Bertelsmann Stiftung bereits über weitere Online-Kurse für Bibliothekare nach, zum Beispiel zum Thema Kundenorientierung.

"Mit E-Learning kann die Lerndauer um bis zu 40 Prozent verkürzt werden", sagt Franziska Uhing, die bei dem Kieler Unternehmen bits at work elektronische Fortbildungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Gute E-Learning-Programme seien stets multimedial und interaktiv und führten so dazu, dass die Teilnehmer Lerninhalte besser behalten können.

Trotz hoher Anfangsinvestitionen für die Programmierung der elektronischen Lernmodule sei E-Learning für das Unternehmen am Ende billiger als die klassische Fortbildung. "Es entfallen Ausfallzeiten, Reisekosten und die Ausgaben für Schulungsräume und Seminarhäuser, die zusammen bisher rund zwei Drittel der Aufwendungen für betriebliche Fortbildungen ausmachen."