Ave Maria singen die Nonnen mit hingebungsvollen Silberstimmen und lassen sich auch von dem betörenden Parfüm aus Weihrauch und Myrrhe den Atem nicht rauben. Dann segnet Bischof Zelimir Puljic den gerade restaurierten Altar des Renaissance-Malers Lovro Dobricevic und die Madonna mit dem Kind in einer Mandorla aus schwarzen Cherubinen. Die Menschen, die sich in der kleinen Kapelle drängen, schlagen ein Kreuz, sagen Amen und strahlen. Denn an diesem heißen Sommernachmittag ist einer der großen Kunstschätze Dubrovniks in das idyllisch über dem Meer gelegene Kloster der Franziskanerinnen auf der Landzunge Dance zurückgekehrt - dank Schutzpatronin Francesca von Habsburg und ihrer Stiftung Arch (Art Restoration for Cultural Heritage). Seit zehn Jahren setzt sich die Tochter von Baron Hans Heinrich von Thyssen-Bornemisza dafür ein, gefährdete Kulturgüter zu retten und zu bewahren.

Sie hat ein weltweites Netzwerk von Mitarbeitern und Sympathisanten aufgebaut und saniert mit ihnen zum Beispiel die Medina von Marrakesch oder kämpft in Laos und Myanmar gegen Landminen und den Verfall von Tempeln und Pagoden.

Als ich Dubrovnik im Dezember 1991 mit dem Auto besuchte, war die Stadt gerade von der serbisch-montenegrinischen Armee angegriffen worden, erinnert sich das ehemalige Glamourgirl. Was ich sah, hat mir beinahe das Herz zerrissen. Dubrovnik barst unter Strömen von Flüchtlingen. Es gab weder Wasser noch Strom. Paläste, Kirchen, Klöster, fast alle Kulturdenkmäler waren schwer beschädigt. Vor allem die Gebäude im Altstadtkern, die in der Unesco-Liste des Weltkulturerbes eingetragen sind, waren brutal attackiert worden, erzählt Francesca von Habsburg. Unter diesem Schock habe ich Arch gegründet. In den Trümmern Dubrovniks organisierte Francesca von Habsburg im Dezember 1991 eine internationale Konferenz unter dem Titel Cultural Heritage at War. Im Namen der Stiftung lud sie Experten ein, die den kroatischen Restauratoren mit einer Art Notfallprogramm halfen, ihr Kulturerbe wieder instand zu setzen und an sichere Orte zu transportieren.

1994 - noch immer herrschte Krieg - richtete Arch im Franziskanerkloster Mala Braca ein Labor für konservatorische Arbeiten ein. Bis 1999 war es Sitz der Restauratoren Dubrovniks, dann zog das Institut für Denkmalpflege in eine wiederaufgebaute Renaissance-Villa mit Meeresblick in Batahovina etwas außerhalb der City. Mit viel Geld und noch mehr Enthusiasmus überredete Francesca von Habsburg renommierte italienische Restauratoren wie Stefano Scarpelli, spezialisiert auf Gemälde, Holzkonservator Giovanni Marussich und Metallrestaurator Giovanni Morigi dazu, die kroatischen Kollegen mit unterschiedlichen Techniken und Methoden der Restaurierung vertraut zu machen. Wir wollten ein Team aufbauen, das selbstständig weitermachen konnte, wenn wir wieder weg sein würden, sagt Scarpelli und folgt damit dem Arch-Prinzip, das Francesca von Habsburg so beschreibt: Wir wollen Menschen helfen, sich selbst zu helfen. Rund 600 000 Dollar hat es seit 1991 gekostet, insgesamt 39 kapitale Kunstwerke in Feinstarbeit zu reparieren, acht Manuskripte, neun Gemälde und 22 Reliquien, und sie an ihre Ursprungsorte zurückzubringen. Denn darauf legt die bodenständige Hüterin der schönen Künste Wert: Ich will die Dinge in situ bewahren, betont sie. Ich bin keine Sammlerin, weil ich Kunst nicht entwurzeln möchte.

Lieber tourt Francesca von Habsburg als energische Kulturbotschafterin um den Globus, meist begleitet von den drei elementaren F, Freunden, Förderern, Familie. Verheiratet ist sie seit 1993 mit Erzherzog Karl von Habsburg, dem Präsidenten der österreichischen Paneuropa-Bewegung, mit ihm hat sie drei Kinder.

Auch die Geschichte des Erzherzogs ist indirekt mit der früheren aristokratischen Republik Dubrovnik verknüpft, die in ihrer glorreichsten Vergangenheit im 15. und 16. Jahrhundert als wichtige Handelsmacht bedeutende Renaissance-Künstler hervorbrachte - Dichter und Maler, geschult in Venedig und Florenz. Das Haus Habsburg-Lothringen hinterließ seine Handschrift in der Adriaregion nach 1815, als Dubrovnik an Österreich gefallen und von einer Perle Dalmatiens zur Provinzstadt geschrumpft war.

Jetzt sind die Habsburgs zurückgekehrt, nicht als Kolonialisten, sondern als Beschützer. Rund 40mal war Francesca von Habsburg mit ihrem Team in Dubrovnik, jeden Schritt der Restaurierungsarbeiten begleitete sie wie die Genesung von Patienten. Zum zehnjährigen Jubiläum organisierte sie nun eine ihrer exklusiven fund raising-Exkursionen, mit denen sie um Mäzene und Sponsoren für die Arbeit von Arch wirbt. Ich liebe diese Expeditionen, sagt sie, weil ich es genieße, unterschiedliche Kulturen und Welten zu verbinden. So wurden Dubrovnik und seine Umgebung auf den Spuren von ARCH selbst für Jetset-Verwöhnte zum Erlebnistrip. Die nachahmenswerte Route führte vom Spaziergang auf der Festungsmauer, hoch über den neuroten, ziegelgedeckten Dächern, zu den mittelalterlichen Festungen Revelin, St.