Anfang der Woche verstummte ganz plötzlich das Kampfgeschrei. "Der Vorstand der FAG Kugelfischer empfiehlt den FAG-Aktionären die Annahme des öffentlichen Kaufangebotes", ließ das Unternehmen friedlich verbreiten. Damit hat Jürgen Geißinger, der Chef der INA Holding Georg Schaeffler AG, in einem Kampf gesiegt, den der Vorstandsvorsitzende der FAG, Uwe Loos, fast fünf Wochen verbissen gegen ihn geführt hatte - nicht nur aus rationalen Gründen.

"Vergessen Sie den Menschen Uwe Loos, es geht um die Sache", hatte der 55-Jährige Maschinenbauingenieur noch vor wenigen Tagen seinen Widerstand begründet und sich ganz geschäftsmäßig kühl und emotionslos gegeben.

Die Sache, das ist die Absicht Jürgen Geißingers, die Schweinfurter Maschinenbaufirma FAG, deren Geschicke Loos seit drei Jahren als Vorstandsvorsitzender bestimmt, mit ihren 18 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro zu schlucken. Insgesamt 670 Millionen Euro wollte die INA sich den Kauf aller Anteile kosten lassen. Eigene Aktien als Tauschobjekt kann Geißinger nicht einsetzen. Die INA, die wie die FAG Wälzlager produziert, ist nicht an der Börse notiert, sondern gehört zwei Personen: Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler, 60, besitzt 20 Prozent, Sohn Georg F. W. Schaeffler, 37, den Rest. Elf Euro hatte Geißinger den FAG-Aktionären cash geboten, rund 51 Prozent mehr als die 7,25 Euro, die die Aktie an der Börse wert war - vor seinem Angebot.

Die elf Euro aber genauso wie die Tatsache, nicht eingeweiht worden zu sein, waren es, die Loos weit über das Geschäftsmäßige hinaus erregten. Und da vermischte sich dann doch "die Sache" mit dem Menschen Loos.

Alles richtig gemacht, aber verloren

Seit der gelernte Maschinenbauingenieur bei der FAG als Chef angetreten ist, hat er eigentlich alles richtig gemacht: Analysten mit Prognosen versorgt, die er immer erfüllt hat; Umsatz und Gewinn gesteigert; Leute eingestellt statt Mitarbeiter entlassen. Und als vorläufige Krönung seines Wirkens gedacht, hatte er Anfang Februar eine Kooperation mit einem der größten japanischen Wälzlagerhersteller, der NTN, verkündet. Ein Coup, so jedenfalls sah Loos es selbst, der "für die gesamte Wälzlagerindustrie eine neue Zeitrechnung einleitet" - angestoßen und entscheidend mitgestaltet von ihm, dem FAG-Chef. Vergeblich aber hat er seither darauf gewartet, dass der "Markt", das heißt die Börse, all das endlich honoriert. Denn statt zu steigen, ist der Kurs der FAG-Aktie sogar auf neue Tiefstände gefallen. Sonst, schnaubte Loos, könne sich die INA die FAG überhaupt nicht leisten.

Umgehend hatte der FAG-Lenker das INA-Angebot denn auch zum "feindlichen Akt" erklärt. "Unser Unternehmen soll voraussichtlich zerschlagen werden", und "Glänzende Wachstumsperspektiven für Mitarbeiter und Aktionäre werden dramatisch gebremst", alamierte eine Extraausgabe der Mitarbeiterzeitung die Belegschaft eindringlich, aber wahrheitswidrig über das "feindliche Übernahmeangebot". Und in bundesweiten Anzeigenkampagnen mahnte Loos die Aktionäre, ihre Anteile nur ja nicht zu verschleudern - die seien schließlich viel mehr Wert als die elf Euro, die INA ihnen biete.