Berlin

Freitagabend, drei Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon. In der Fußballarena haben sich 50 000 Zuschauer von ihren Plätzen erhoben. Schweigend gedenken sie der Opfer. Solidarität mit Amerika. Dann pfeift der Schiedsrichter das Spiel im Asadi-Stadion an: Iran gegen Bahrain.

Trauer selbst in Teheran! Zwanzig Jahre lang haben die Kinder der Khomeini-Revolution den "Großen Satan" geschmäht. Nun kondoliert der Bürgermeister seinem New Yorker Amtskollegen Giuliani. Zum ersten Mal seit 1979 ertönt beim Freitagsgebet nicht mehr der Ruf "Tod Amerika!".

Wahrhaftig, der 11. September hat die Welt verändert. Nun ja, "ein wenig", schränkt Ataollah Mohadscherani lächelnd ein, "nicht total". Der 47 Jahre alte ehemalige iranische Kulturminister, ein enger Berater von Präsident Khatami, besucht auf Einladung von Bundestagspräsident Thierse Berlin. "Es ist das Recht der USA und ihrer Verbündeten, gegen die Taliban und gegen Al-Qaida vorzugehen", sagt Mohadscherani. Und ergänzt maliziös: "Die USA haben sogar ein besonderes Recht dazu. Sie haben sie schließlich geschaffen."

Vor drei Jahren standen der Iran und das Taliban-Regime am Rande des Krieges. Die Taliban massakrierten Angehörige der schiitischen Minderheit; in der Stadt Mazar-i-Sharif brachten sie neun iranische Diplomaten um. Teheran ließ 200 000 Soldaten an der Grenze aufmarschieren. Soll Amerika die Taliban doch zum Teufel jagen!

Etwas ganz anderes jedoch, sagt Mohadscherani, sei die Bombardierung von Wohngebieten. "Dabei kommen unschuldige Menschen ums Leben. Diese Aktion ist zu verurteilen." Solange die Antiterror-Allianz den Tod Unbeteiligter in Kauf nehme, gelte: "Der Iran kann nicht Mitglied dieser Koalition werden."

Dennoch: Die Hoffnungen in Washington sind nicht unberechtigt, der Iran werde die Chance ergreifen und sich Amerika als Partner im Kampf gegen den Terrorismus empfehlen. Unter Präsident Khatami, einem mutigen und ungemein populären Reformer, hat sich das Verhältnis zu Europa spürbar entspannt; es waren europäische Besucher, Londons Außenminister Straw und die EU-Troika, die nach dem 11. September in Teheran um eine Unterstützung der Allianz gegen den Terror warben.