Murch: Die französische Plantage kommt jetzt unmittelbar nach Cleans Tod; die Figuren dort haben etwas Uneindeutiges, sie sind wie Gespenster, die aus dem Nebel auftauchen. Gibt es sie auf dieser Plantage wirklich, oder hat Cleans Tod in den anderen eine Sensibilität geweckt, die sie Menschen spüren lässt, die früher hier gelebt haben, aber vielleicht schon lange tot sind? Eine eigenartige Szene. Bei dem Abendessen kommt es zu einer politischen Diskussion über Frankreichs Rolle als Kolonialmacht, die Vietnam als ihr Eigentum betrachtet. Für die Amerikaner trifft das nicht zu. Südostasien hat nie zum amerikanischen Machtbereich gehört, und es stellt sich die Frage, was die Amerikaner dort zu suchen haben, was sie dort erreichen wollen. Die Franzosen hatten sehr klare und unmissverständliche Antworten auf diese Frage.

Ondaatje: Gab es viel Material für das Ende des Films, das Sie beim Neuschnitt benutzen konnten?

Murch: Es gibt zwei Monologe von Brando, die jeweils um die 20 Minuten lang sind.

Ondaatje: Waren das improvisierte Monologe?

Murch: Sie waren es insofern, als Brando keine bestimmten Textstellen auswendig gelernt hatte. Aber er hatte mit Francis besprochen, worüber er reden würde. Insgesamt hatten wir etwa eine Stunde Material mit Brandos Monologen. Die Stelle mit der Schnecke auf dem Rasiermesser stammt aus dem ersten Monolog und auch die mit dem Abhacken der geimpften Arme. Aus dem zweiten Monolog wurde nur der Ausruf "The horror, the horror" in den Film übernommen. Ich fand es immer etwas problematisch, dass die Brando-Sequenzen am Ende des Films so unklar und abstrakt sind. Wir haben eine Szene eingefügt, die jetzt zu der Verstümmelungs-Rede hinführt. Sie ist der Schlusspunkt einer Reihe von Szenen, die zeigen, wie Willard im Revier von Kurtz fertig gemacht wird. Willard hockt in einem glühend heißen Metallcontainer, der in der Sonne steht; plötzlich geht die Tür des Containers auf, und Kurtz erscheint. Er setzt sich und liest Willard drei Stellen aus einem Artikel im Time Magazine von 1967 vor, in denen der Kriegsverlauf sehr optimistisch beurteilt wird und die er ironisch kommentiert. Dann steht er auf, gibt Willard die Artikel und sagt: "Sie können sich jetzt frei auf dem Gelände bewegen. Aber wenn Sie zu fliehen versuchen, werden Sie erschossen." Und dann geht er. Willard will aufstehen, bricht zusammen und wird dann in den Tempel gebracht. Auf diese Weise sehen wir das Ende seiner Folterungen. Und wir sehen Brando oder Kurtz im Sonnenlicht, und das ist wichtig - er steht im Licht, ist zurechnungsfähig, ironisch und eine Autoritätsperson.

Ein Buch mit Gesprächen zwischen Murch und Ondaatje wird voraussichtlich 2002 im Hanser Verlag erscheinen

Aus dem Englischen von Melanie Walz