Vor den Toren Hamburgs liegt das ehemalige Konzentrationslager Neuengamme. Hier wurden bis 1945 mehr als 55 000 europäische Häftlinge und Zwangsarbeiter zu Tode gequält: ein Ort des unerhörten Leidens und der moralischen Niederlage Deutschlands. Sie fand nach 1945 kein Ende. Auf dem Gelände wurde eine Justizvollzugsanstalt errichtet - eine taktlose Zumutung, zumal für Überlebende des Naziterrors.

Seit mehreren Jahren plant Hamburg, das Gefängnis zu schließen und die bescheidene Gedenkstätte auszubauen. Noch am 5. September stimmte die Bürgerschaft, das Parlament der feinen und reichen Stadt, mit den Stimmen der CDU dem Projekt zu. Neuengamme zählt mit Dachau und Bergen-Belsen zu den nationalen Gedenkstätten von besonderem historischen Rang, die von der Bundesregierung finanziell gefördert werden. Die neu gewählte Hamburger Regierungsmehrheit, jetzt bereits unter ideologischer Führung des Richters Ronald Schill, will auf das Gefängnis nicht mehr verzichten. Sie will noch mehr bauen. CDU-Chef Ole von Beust hat die Zustimmung seiner Partei zur neuen Gedenkstätte kassiert: Steht an der Spitze der Weltstadt demnächst eine kleingeistige Allianz von Stammtischbrüdern? Und ausgerechnet Nike Wagner, Urenkelin des großen Komponisten, die als Hamburger Kultursenatorin im Gespräch ist, soll diesem schuftigen Spiel den Glanz ihres Namens geben? Die Bayreuther Intrigen sind nichts gegen den hanseatischen Gesinnungssumpf, in dem sie versinken würde. nau