Die Journalistin: "Aber dieses Regime unterdrückt die Frauen!"
Einer der jüngeren Männer: "Das ist alles Propaganda!" Die anderen nickten.
Die Journalistin: "Nein, das ist nicht Propaganda. Ich war selbst in Kabul!"
Der Verkäufer: "Wann?"
Die Journalistin: "Im Sommer 1998. Frauen dürfen nicht arbeiten, sie dürfen keine Schule besuchen, sie dürfen nicht arbeiten!"
Der Verkäufer: "Das ist wegen des Krieges. Das ist nur, weil im Moment nicht genügend Räumlichkeiten da sind. Zuerst muss aufgebaut werden. Dann werden die Frauen auch wieder in die Schule gehen! Der Mann aber kommt zuerst, er ist wichtiger."
Die Journalistin: "Aber das ist nicht wahr! Und wenn es wahr wäre, ist es schlimm genug!"
Der Verkäufer: "Nein, das ist nicht schlimm. Das entspricht dem Islam!"
Die Journalistin: "Sie meinen, es entspricht dem Islam, Frauen zu unterdrücken?!"
Der Verkäufer: "Wir unterdrücken die Frauen nicht. Der Islam sagt uns: Wenn die Frau zum Beispiel schwarz sagt, musst Du als Mann weiß sagen. Denn die Frau liegt mit Sicherheit falsch. Sie hat nur 50 Prozent des Hirnes eines Mannes."
Ein anderer Verkäufer schaltete sich ein: "Deshalb haben wir auch die Regelung, dass die Zeugenaussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes. Es braucht zwei Frauen, um die Aussage eines Mannes aufzuwiegen!"
Die Journalistin: "Sie meinen also allen Ernstes, dass die Frau nur halb so intelligent ist!"
Der Verkäufer: "Das ist die Wahrheit! Es ist die Wahrheit!"
Die Journalistin: "Sind Sie denn verheiratet?"
Der Verkäufer: "Aber natürlich. Und ich kann Ihnen garantieren, meine Frau ist glücklich. Ich lade Sie gerne zu mir nach Hause ein. Sie können meine Frau sprechen: Sie werden sehen, dass Sie sehr glücklich ist!"
Die Journalistin wechselte das Thema. Sie sprach mit den Verkäufern noch einige Minuten über dies und jenes. Danach verabschiedete sie sich. Die Verkäufer schüttelten ihre Hand: "Danke für ihren Besuch. Kommen Sie wieder. Sie sind immer willkommen!"

ENDE

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