Argwohn ist ein freundliches Wort. Zumindest, wenn es beschreibt, was Steffen Schmidt zu spüren bekam, nachdem er angefangen hatte, für die Gewerkschaft zu arbeiten. Schmidt ist Angestellter von Connexx, und Connexx versucht seit zwei Jahren, in der New Economy und den privaten Rundfunksendern Fuß zu fassen. Also im gewerkschaftsfreien Raum. Den zu füllen, ist das Ziel von Steffen Schmidt.

"Gewerkschaft einmal anders" - mit diesem Slogan hetzt er durch München. Seine Gegner waren oder sind: die gute Laune in den Start-ups, die krisengebeutelten Chefs. Und nicht zuletzt die Konservativen in den eigenen Reihen, innerhalb von ver.di, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, zu der Connexx gehört. Gemeint sind jene, die noch immer schaudern, wenn es um Mitglieder geht, aber von Kunden gesprochen wird. Die aufschreien, wenn sie in der Zeitung vom "Arbeitnehmer-ADAC" lesen und merken: Sie selbst sind gemeint. Die Gewerkschaft.

Hinter Connexx steht vor allem die ver.di-Spitze. Die hat jetzt, von den ersten Ergebnissen ermutigt, beschlossen, das Projekt bis zum Jahr 2005 zu verlängern. "Wir verdoppeln das Budget, stellen neue Leute ein und gehen in mehr Städte", sagt Bundesvorstand Frank Werneke. Heute sind es vier Angestellte, und auch nach der Verdopplung wird Connexx ein kleines Nichts sein, verglichen mit den etwa 5000 hauptamtlichen Funktionären der Gewerkschaftsmutter. Trotzdem signalisiert es nach außen: "Wir meinen es ernst." Und beschleunigt den Wandel im Inneren.

Funktionär in Unterwäsche

Die Kritiker grummeln derzeit nur verhalten. "Sie sagen, die Investitionen haben sich nicht gelohnt. Der Landesverband ist gespalten, mehr sind dagegen als dafür", beschreibt Ernst Späth, stellvertretender Landesbereichsleiter Medien, die Stimmung in München. Schmidt weist dagegen darauf hin, man habe 700 neue Mitglieder gewonnen. Zudem beurteilen zwei Drittel der Mitarbeiter in der New Economy und den privaten Medienunternehmen die Connexx-Arbeit positiv, das ergab eine vor wenigen Tagen vorgestellte Studie der Gewerkschaft.

Connexx, das ist eine mögliche Zukunft von Gewerkschaft. Schmidt glaubt daran, dass die Vielfalt - auch der Organisationsformen - ein Gewinn ist. Auf der anderen Seite liegt die Stärke der Gewerkschaften in ihrer Einheit. Sie leben davon, eine zwar hierarchische, aber dafür bis zum Streik handlungsbereite, bundesweite Organisation zu sein. Wo soll es hingehen?

Misstrauen erntet Steffen Schmidt unter anderem, weil seine Biografie nicht so recht zu der eines hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionärs passen will. Der Jurist hat für die FDP Politik gemacht, nennt sich ein "Ziehkind" der Urliberalen Hildegard Hamm-Brücher und ist Mitglied im Freiburger Kreis. In ihm haben sich die freiheitlich-liberalen Geister innerhalb der Partei, unter ihnen Burkhard Hirsch, versammelt. Noch dazu gehörte Schmidt zur lokalen politischen Prominenz in München, seit er im Landtagswahlkampf auf einem Plakat posierte - und dabei mit einem Body bekleidet die Werbung des Modehändlers Hennes & Mauritz parodierte.