Scharping: Guten Morgen!

Durak:Kroatien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo und Mazedonien, das sind die Stationen Ihrer Reise. Zur Zeit sind Sie wohl in Bosnien. Wie geht es unseren Männern dort?

Scharping: Ich war jetzt die Nacht hier im Feldlager in Radovac und ich habe den Eindruck, dass es eine sehr konzentrierte, aber auch gute Stimmung ist, eine hohe Kameradschaft und dass die Aufgaben hervorragend bewältigt werden.

Durak: Herr Scharping, wir hören gestern, dass auch der Bundeswehreinsatz auf dem Balkan sich unter Umständen ausweiten könnte auf die internationale Suche nach dem Netzwerk Osama Bin Ladens. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es Verbindungen zu den in Bosnien lebenden Muslimen gibt, und zwar zu ganz bestimmten. Von 600 Mudschaheddin wird geredet. Haben Sie nähere Informationen dazu?

Scharping: Ich verstehe sehr gut, dass dieses Thema des internationalen Terrorismus im Moment alles dominiert. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass es hier um eine umfassende friedenssichernde Aufgabe geht und dass die Soldaten ganz selbstverständlich natürlich in diesem Rahmen auch etwas dazu beitragen, dass nicht nur die Sicherheit der Ländern in einem äußeren Sinne oder im Sinne des Schutzes gegen den Bürgerkrieg gewährleistet wird, sondern dass hat auch mit terroristischer Bedrohung zu tun. Die gibt es auch in Bosnien. Da hat es Verhaftungen gegeben. Da sind Verbindungen aufgeklärt worden von Mudschaheddin, die hier im Lande leben, Verbindungen zum internationalen Terror. Dabei hat die Bundeswehr geholfen, weil sie ebenfalls über Aufklärungsergebnisse verfügt.

Durak: Sehen Sie denn die Truppen der Bundeswehr, aber nicht nur die in irgendeiner Form gefährdet?

Scharping: Ich glaube, dass sich die Gefährdung nicht so sehr direkt gegen die Soldaten oder die Einrichtungen der deutschen Soldaten richtet. Es sind eher die Amerikaner und die Briten, die zur Zeit im Visier sind, mit ihren Botschaften und ihren militärischen Liegenschaften.