Angespannte Zeiten.

Die Süddeutsche Zeitung gehört normalerweise nicht zu den Blättern, die Panik auslösen oder den Staatsschutz auf den Plan rufen. Anders am vergangenen Sonntag. In einer Kirche im bayerischen Unterhaching probt der örtliche Organist für die Messe, als sich sein zehnjähriges Töchterchen aus Langeweile unbemerkt aufmacht, einen Stapel kopierter Papiere, darunter SZ-Artikel über Osama bin Laden und den Krieg in Afghanistan, in der Nachbarschaft zu verteilen. Die Zettel hatte der Vater - wie er sagt - eigentlich später im kleinen Kreise ausgeben wollen, um die Militärschläge in Afghanistan zu diskutieren. Ein alarmierter Anwohner reichte sie stattdessen an die Polizei weiter. Die stellte den Theologen nach dessen Schilderung noch am selben Tag zur Rede und kündigte wegen der "Einwurfaktion in der Sonntagsruhe" eine Anzeige beim Staatsschutz an. "Damit muss der Herr rechnen in der angespannten Situation", meint die Münchner Polizei auf Anfrage. Und die Süddeutsche Zeitung? Muss die jetzt auch mit Anzeigen rechnen wegen alltäglicher, zigtausendfacher "Einwurfaktionen" - bei ihren friedlichen Abonnenten?

Fataler Schein von Hilfe.

Von Erdnussbutter hört man. Von Keksen, Reis und Marmelade, die auf den kargen afghanischen Wüstenboden niederprasseln, abgeworfen von amerikanischen Transportmaschinen. Tatsächlich leiden Zehntausende Flüchtlinge weiter bittere Not, weil Hilfsgüter, die sie wirklich brauchen, ausbleiben. Die größten Hilfsorganisationen haben bisher gerade acht Millionen Mark gesammelt. Ungewöhnlich wenig, klagen sie. Der Grund: Das Mitleid schwindet, wenn es staatliche Care-Pakete regnet. Dabei wird es jetzt Winter am Hindukusch.

Spendenkonten: Caritas, Kennwort "Afghanistan", Konto 202, BLZ 660 205 00 Unicef, Kennwort "Flüchtlingshilfe Afghanistan", Konto 300 000, BLZ 370 205 00 Deutsches Rotes Kreuz, Kennwort "Flüchtlingshilfe", Konto 41 41 41, BLZ 370 205 00 Deutsche Welthungerhilfe, Kennwort "Afghanistan", Konto 1115, BLZ 380 500 00