Siehe da, die IRA bewegt sich doch. Jahrelang vermied es die Untergrundarmee, ihr ansehnliches Waffenarsenal auch nur um eine Unze Sprengstoff zu verringern. Demokratisch legitimierte Macht in Nordirland und zugleich eine Privatarmee als permanentes Druckmittel - offenkundig mochte die republikanische Bewegung von dieser wirksamen Kombination nie wirklich lassen. Nun folgte die IRA der "Empfehlung" von Gerry Adams und machte einen Teil ihrer Waffen "unbenutzbar", um das Nordirlandabkommen in letzter Minute vor dem Kollaps zu bewahren.

Mag sein, dass der Schritt der IRA tatsächlich das überstrapazierte Attribut "historisch" verdient. Der kanadische General de Chastelain sprach von einem "signifikanten" Schritt. Die Unionisten, unter Führung von David Trimble, sind nun bereit, in die Regierung von Belfast zurückzukehren. Eine richtige Entscheidung, selbst wenn der Verdacht bleibt, dass es vornehmlich die Angst vor amerikanischem Liebesentzug war, die Sinn Féin/IRA Beine machte. Seit dem 11. September sind selbst die blauäugigsten Irlandromantiker in den Vereinigten Staaten nicht länger bereit, die IRA-Mitglieder als Freiheitskämpfer zu verklären. Ohne Geste in der heiklen Waffenfrage drohten generöse Spenden für Sinn Féin zu versiegen. Inzwischen weiß Washington, wie eng Sinn Féin/IRA immer noch mit dem Netz internationaler Terrorgruppen verwoben ist. Wer Waffen nicht aufgeben will, verharrt auf der falschen Seite der Geschichte. Und dort lebt es sich seit dem 11. September äußerst ungemütlich. JK