Der sächsische Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU) hält nichts von neuen Modellprojekten für den Niedriglohnsektor. Er fordert eine radikalere Lösung: Der Staat soll generell für Geringverdiener mit einem Einkommen bis 1350 Mark monatlich, also 16 200 Mark pro Jahr, die Sozialbeiträge übernehmen - und zwar den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil. "Schwarzarbeit lohnt sich dann nicht mehr", wirbt Schommer. Nach seinem Konzept könne auch ein Privathaushalt als Unternehmer auftreten und beispielsweise Nachhilfelehrer, Gärtner oder Babysitter legal beschäftigen. "Der Arbeitgeber zahlt bar und bestätigt dies auf einem genormten Formular, eine Behörde zahlt daraufhin die zusätzlichen Sozialleistungen", erklärt der Minister. Zwar würden auf diese Weise auch viele Erwerbstätige subventioniert, die bereits einen Job haben.

Auf Dauer sei dies für den Staat aber immer noch billiger, als ineffiziente Maßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu finanzieren. In Sachsen zum Beispiel müsste der Staat nach Schommers Konzept für knapp 400 000 Beschäftigte die Sozialabgaben übernehmen - nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums würde dies 1,6 Milliarden Mark kosten. Genauso viel gibt das Land in etwa für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aus.