Deutschland steht am Rand der Rezession. Politiker, Forscher, Lobbyisten setzen Gerhard Schröder unter Druck. Der Kanzler solle sofort etwas unternehmen - vor allem die Steuerreform des Jahres 2003 vorziehen und damit 13 Milliarden Mark zusätzlich in die Wirtschaft spülen. Soll er tatsächlich?

Nein. Erstens würde die Bundesregierung auf diese Weise noch ihr letztes wirtschaftspolitisches Kapital verspielen: den glaubhaften Willen zur Sparsamkeit. Und zweitens hat sie schon Steuerentlastungen von gut 40 Milliarden Mark eingeräumt - im laufenden Jahr. Die wenigsten erinnern sich.

Angesichts schnell steigender Preise im ersten Halbjahr spürten Verbraucher und Konzerne diese Wohltat kaum. Von einem Wachstumsschub war schon vor dem 11. September nichts zu sehen.

Im Vergleich zu den europäischen Partnern hat die Weltkrise Deutschland besonders heftig getroffen. Ein Wachstum von 0,7 Prozent lassen die Prognostiker für dieses Jahr noch übrig - der Euro-Raum insgesamt kommt immerhin auf das Doppelte.

Vergangenes Jahr gelang es der deutschen Wirtschaft zwar, am globalen Boom teilzuhaben. Aber erst im Abschwung erweist sich ökonomische Stärke. Und in diesem Härtetest ist Deutschland durchgefallen, der Wirtschaft fehlt die Eigendynamik, die sich nicht auf wachsende Exporte stützen muss. Gerade haben die Experten des World Economic Forum ihren jährlichen Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit der Länder veröffentlicht. In der Rangliste der Besten ist die Bundesrepublik auf den 17. Platz gefallen - gleich hinter Island.

Dass es in Europa auch besser geht, zeigt der Spitzenreiter Finnland.

Der Staat war nie weg