Joschka Fischer hat wenig Angst vor Neuanfängen. Kein Politiker hat sich so oft selbst neu erfunden wie der Extaxifahrer, Exbuchhändler, Exsteinewerfer und Exfließbandarbeiter aus dem Auswärtigen Amt. Von anderen erwartet er ebenfalls Beweglichkeit. Kaum jemand hat so oft schon eine Zeitenwende propagiert.

Diesmal sind die Liberalen dran. Fischer hat ein Ende des "Neoliberalismus" und des "Niedrigsteuerstaates" ausgemacht. Seit die Terroranschläge vom 11.

September die Welt erschütterten, so sein Credo, gebe es eine neue Akzeptanz, vielleicht sogar eine neue Sehnsucht nach dem "starken Staat" - mit Folgen nicht nur für die Innenpolitik, sondern auch für die Wirtschaftspolitik.

Andere Spitzengrüne reden ähnlich

Umweltminister Jürgen Trittin etwa oder Fraktionschef Rezzo Schlauch, der neuerdings für ein staatlich finanziertes europaweites Konjunkturprogramm plädiert. Offenbar wollen die einflussreichen Strategen des kleinen Koalitionspartners kein liberales Korrektiv mehr sein.

Gefräßigkeit als Programm

Dabei könnten diese Zeiten, in denen Gewerkschaften und etliche Sozialdemokraten Investitionsprogramme auf Pump einfordern, eigentlich die Stunde grüner Ordnungspolitiker sein. Einzelne Parlamentarier wie der Haushälter Oswald Metzger oder die Sozialexpertin Thea Dückert sehen das auch so. Doch die Prominenz ist ganz anders gestimmt. Nicht etwa, dass sie nur zähneknirschend in Steuererhöhungen einwilligt. Nein, sie erklärt die neue Gefräßigkeit des Staates zum Programm.