Die Zukunft ist alles: imaginäres Mekka für Technokraten und Argumentationsfolie für Kulturpessimisten, eine hochtourige Mythenmaschine, die ihre Antriebskraft aus den Galaxien des Unterbewussten bezieht - und vor allem ein Klischee, das als organisch durchgeformtes, bonbonfarbenes Hirnkonstrukt mit Vorliebe im Weltall stattfindet und seltsame Sonderlinge gebiert. Nun hat die Zukunft auch noch ihre künstlerische Antizipation gefunden: Die Ausstellung Futureland, eine Kooperation der beiden Nachbarstädte Mönchengladbach (Museum Abteiberg, bis 6. Januar 2002) und Venlo (Museum van Bommel van Dam, bis 2. Dezember 2001), arbeitet Zukunftsvisionen junger Künstler auf. Sie reproduziert bestehende Klischees nicht einfach, sondern differenziert. David Thorpe etwa collagiert seine Architektur-Utopien mit alten Sofabildern - und klopft so ihren futurologischen Anspruch auf den nostalgischen Gehalt ab. Und Björn Dahlem entlarvt mit seinen Lattenbauten die ewigen Kulissentricks der Wirklichkeit: Seine plastisch-architektonischen Scribbles, die scheinbar schwerelosen Strichkonstruktionen im Nichts modellieren ironisch Gedankengebäude und Welterklärungen, die schon heute nicht mehr funktionieren. Das Fazit: Gestalten geschweige denn aufhalten lässt sich die Zukunft sowieso nicht.

Höchstens einholen. Alle Arbeiten machen deutlich: Alternative soziale Utopien hat die Kunst nicht mehr zu bieten, längst hat sie diese den unternehmerischen Visionen überlassen. Statt großer Entwürfe erwarten den Besucher subjektive Kommentare existenzieller Art: Im Blick nach vorn spiegeln sich die Defizite und Sehnsüchte des Hier und Jetzt. Noch ist der Mensch eben mehr als ein Datensatz. Und für diese Erkenntnis dann der ganze futurologische Kaffeesatz?