Ein Steppengebiet in Kachetien, knapp 40 Kilometer südöstlich von Tiflis, eingezwängt in die Flusstäler von Iori und Kura. Niemandsland. Graublaue Wolkengebirge verhüllen die Sicht auf die schneebedeckten Spitzen des Kaukasusgebirges im Norden. Dort, wo nur noch gelblich-ledriges Steppengras auf der Schwarzerde wächst und eisige Südostwinde aus der armenischen Steppe über eine Landschaft von endzeitlicher Kargheit fegen, liegen die Hügelkuppen von Udabno I, II und III.

"Ich sehe, wir befinden uns im alten Orient", sagte der Troja-Forscher Manfred Korfmann aus Deutschland zum georgischen Kollegen Konstantin Pizchelauri schon vor Jahren, als dieser ihn erstmals in die Einöde führte.

Ausgerechnet hier? Archäologen müssen Visionen haben. Oder sehr viel Fantasie. Wie sonst käme einer auf Gedanken an Tausendundeine Nacht angesichts dieser Mondlandschaft: kein Baum weit und breit, Leere, nichts außer Warten auf Godot. Doch der Tübinger Ausgräber mit Weltruf fabuliert auch jetzt: "Hier sind die Ausläufer einer orientalischen Hochkultur."

Luftbilder, magnetometrische Untersuchungen und erste Grabungen weisen tatsächlich auf Rundanlagen mit befestigten Palästen, mit Häusern und Kammern, mit Ställen und einem Heiligtum hin. Sie zeigen deutlich die Siedlungsstrukturen einer Kultur in der späten Bronze- oder frühen Eisenzeit.

"Eine großartige Baustruktur, systematisch geplant, auf hervorgehobenen Positionen", sagt Korfmann und denkt dabei an Assyrer, an ostanatolisch-iranische Kontakte oder an urartäische Kultureinflüsse.

In vier Kilometer Entfernung gibt es eisenhaltige Schlacken am "Eisenberg".

Sie legen Erzgewinnung nahe. Vermutlich erhoben sich die Udabno-Hügel zu prähistorischen Zeiten inmitten riesiger Wälder. Bäume und Büsche könnten abgeholzt worden sein, um Eisenerz zu verhütten.