Die Weltwirtschaft rutscht in die Krise - na und? Warum ist das eigentlich so schlimm? Weil Arbeitsplätze verloren gehen und die Einkommen sinken - so lernen es Wirtschaftsstudenten im ersten Semester. Falsch, sagt Andrew Oswald, Ökonomieprofessor an der Universität Warwick in England.

Arbeitslosigkeit und Einkommensverluste seien schlimm, aber das eigentlich Schlimme an einer Rezession sei die Furcht. Oswald hat gemeinsam mit seinen Kollegen Rafael Di Tella (Harvard) und Robert MacCulloch (London School of Economics) Umfragen unter mehreren hunderttausend Europäern während der vergangenen drei großen Rezessionen ausgewertet. Demnach trifft ein wirtschaftlicher Abschwung auch diejenigen, die weder Geld noch Arbeitsplatz verlieren. Sie bekommen nämlich Angst. "Die Daten belegen einen deutlichen Verlust an Zufriedenheit", so Oswald. Und zwar in gehörigem Ausmaß: "Die durch eine Rezession erzeugte allgemeine Angst schlägt stärker zu Buche als alle anderen ökonomischen Faktoren."

Und daraus folgert Oswald: Um seine Bürger zu beruhigen, müsse der Staat ihnen eine großzügige Arbeitslosenunterstützung anbieten. In Aufschwungphasen könne es durchaus sinnvoll sein, diese zu kürzen - so wie in den vergangenen Jahren in Großbritannien geschehen. "Dadurch motiviert man die Leute zur Arbeit." In einer weltweiten Rezession aber würden sich solche Einschnitte in das soziale Netz rächen. Schließlich sei es kein Wunder, dass gemäß der Umfragen das höchste Maß an Zufriedenheit ausgerechnet Holländer, Dänen und Belgier erreichen - sie alle leben in großzügigen Wohlfahrtsstaaten.