Jetzt, nach der vernichtenden Niederlage der Berliner CDU, denkt man vielleicht noch einmal an den 2. Oktober zurück. Am Vorabend des Einheitstages hatte die Union zur Kundgebung auf den Wittenbergplatz geladen, neben das KaDeWe. Die Veranstaltung kreiste, wie konnte es zu diesem Datum anders sein, um Helmut Kohl. Es war sein erster Großauftritt seit langem und jenes "Eingreifen" in den Berliner Wahlkampf, das die führenden Parteifreunde doch mehr befürchtet als erhofft hatten

man war erleichtert, dass es bei diesem einen Einsatz blieb.

Bemerkenswert auf der Kundgebung erschien aber nicht so sehr Kohl, der eben so war, wie er immer ist. Viel nachdenklicher stimmte das Bild, das die CDU abgab und in diesen Tagen eigentlich immer abgibt, wo sie sich versammelt oder sonst wie in Erscheinung tritt - ein nicht einfach schwaches, sondern schlichtweg trauriges Bild, irgendwie schief und fremd in der Gegenwart stehend, kulturell marginalisiert, ein wunderliches Milieu, dessen Sein und Wesen nach außen nicht mehr recht zu vermitteln ist. Es waren Formeln und Szenen wie aus einer anderen Welt: die Danksagungen an den Altkanzler, das Schwenken amerikanischer Fahnen, die grauhaarige oder handtaschige Erregung über die Zwischenrufe von ein paar linken Störern. Parteiveranstaltungen wirken auf normale Menschen immer etwas seltsam

wie Familienfeiern, bei denen man nicht dazugehört. Aber Unions-Kosmos und Rest-Universum sind derzeit besonders schwer zur Deckung zu bringen.

Bundespolitische Weiterungen der Berlin-Wahl hat man in den vergangenen Wochen immer in Richtung Merkel vorausgesehen: Ein Debakel in der Hauptstadt werde sie als Kanzlerkandidatin unmöglich machen. So klar und einfach ist die Sache nicht ausgegangen. Nach den Frechheiten aus der CSU konnte die CDU-Führung kaum anders, als Loyalität zu ihrer Vorsitzenden zu demonstrieren

und wirklich hat Angela Merkel ja weder den unglückseligen Steffel erfunden noch gar das Vorgängerregime Diepgen/Landowsky verschuldet.

Die bundespolitische Pointe der Berlin-Wahl für die CDU hat weniger mit den Fähigkeiten der Parteichefin zu tun als mit Strategie und Image, mit dem Problem der Marginalisierung und mit der Frage, wie man ihr entkommt.