Als Ali Daryusi nach Deutschland kam, erhielt er eine Abfuhr. Sein syrisches Maschinenbaudiplom wurde nicht anerkannt. Zwei Jahre musste er an der Universität Duisburg nachsitzen, bevor er sich Diplomingenieur nennen durfte. Heute ruhen auf dem 30-jährigen Syrer und einer Hand voll Studenten die Hoffnungen nordrhein-westfälischer Hochschulreformer. Daryusi gehört zum ersten Jahrgang der Dortmunder Graduate-School für Produktionstechnik und Logistik, die im November ihren Betrieb aufnimmt. Nach nur drei Jahren soll Ali Daryusi sich mit dem Doktortitel schmücken können, zwei Jahre früher als der Ingenieurdurchschnitt.

Graduate-Schools sollen die Promotionszeit verkürzen, die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen stärken und ausländische Nachwuchsforscher nach Deutschland locken. Während die klassische Dissertation weitgehend eine Angelegenheit zwischen Doktorvater und Doktorand ist, setzen die Graduate-Schools auf stärkere Verschulung und Betreuungspflichten. In kleinen Gruppen werden die mit einem Stipendium ausgestatteten Studenten zügig promoviert. Sie arbeiten zwar weiterhin unter Anleitung ihrer Doktorväter an Forschungsprojekten, aber gemeinsame Seminare und Spezialvorlesungen sollen mehr Struktur in das Curriculum bringen. Mentoren helfen beim Aufstellen des Studienplans, Vertrauensdozenten bei Problemen mit dem Betreuer. Mindestens 30 Prozent der Graduiertenschüler sollen aus dem Ausland kommen. Die Dortmunder erwarten Ingenieure aus China, Rumänien, Indien oder Bangladesch.

Noch werden die Graduate-Schools als Eliteprogramm verkauft. Doch die Planspiele der Reformer gehen darüber hinaus. "Wenn sich die Graduate-Schools bewähren, könnten sie der Standardweg zum Doktortitel werden", sagt Matthias Schütz vom Bundesforschungsministerium (BMBF). Mit Geld und Paragrafen wollen Politiker die Reform der Promotion an den Universitäten durchsetzen. In Nordrhein-Westfalen lockt Bildungsministerin Gabriele Behler mit zwei Millionen Mark pro Jahr und Einrichtung. Ab dem Wintersemester fördert sie sechs Graduate-Schools an natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten.

Auch neun Hochschulen in Niedersachsen, rund 20 Max-Planck-Institute und die Berliner Humboldt-Universität haben bereits Graduate-Schools eingerichtet.

Und Forschungsministerin Bulmahn will mit dem Förderprogramm "Promotion an Hochschulen in Deutschland" (PHD) die Universitäten für stärker strukturierte Doktorandenprogramme gewinnen.

Im neuen Hochschulrahmengesetz, das vergangene Woche vom Bundestagsausschuss für Forschung gebilligt wurde, soll die Grundidee der Graduiertenausbildung festgeschrieben werden. Zum künftigen Promotionsstudium gehören neben einer intensiv betreuten Dissertation auch Seminare und Vorlesungen. Ebenso sollen die Doktoranden lernen, wie man ein Forschungsprojekt leitet oder einen wissenschaftlichen Vortrag hält - und zwar am besten auf Englisch. Die Reform rüttelt an den Grundfesten des alten Systems. Denn bisher bieten die meisten Universitäten weder eine systematische Betreuung der Doktoranden noch ein strukturiertes Studienangebot. "Wir haben ein Schönwettersystem", sagt Matthias Schütz vom BMBF. "Solange sich ein Doktorand mit seinem Professor gut versteht, scheint die Sonne. Doch wenn der Doktorvater ins Ausland geht, krank wird oder gar stirbt, steht der wissenschaftliche Nachwuchs im Regen."

An Graduate-Schools übernimmt dagegen die Fakultät die Verantwortung für die Ausbildung. Rechte und Pflichten der Doktoranden werden - auch das ein Novum - vertraglich abgesichert.